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02.10.2009
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Der Kampf ums Brot

Knappe Rohstoffe, hohe Preise

Von Wolfgang Hirn

3. Teil: Wie Kasachstan den Weizenpreis bestimmt

Weizenbauern ernten keine Erfolge

Die wenigsten Menschen wissen, wo Kasachstan liegt. Ist das nicht irgendwo im Bermudadreieck zwischen China, Indien und Russland? Und gehörte es nicht mal zur untergegangenen Sowjetunion? Kasachstan liegt in Zentralasien. Außerdem ist Kasachstan - gemessen an der Fläche - eines der größten Länder der Welt. Und auch einer der größten Weizenproduzenten.

Weizenfeld: Wenn in Kasachstan die Ernte mal nicht so gut ausfällt, bestimmt das letztlich auch unseren Brotpreis
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Weizenfeld: Wenn in Kasachstan die Ernte mal nicht so gut ausfällt, bestimmt das letztlich auch unseren Brotpreis

Wenn dort im fernen Kasachstan die Ernte mal nicht so gut ausfällt, bestimmt das letztlich auch unseren Brotpreis.

Als zum Beispiel Ende Februar 2008 die kasachische Regierung ankündigte, dass es auf seine Weizenexporte einen Zoll erheben wolle, und damit das Angebot auf dem Weltmarkt verknappte, schnellten in Chicago plötzlich die Weizenpreise um 22 Prozent nach oben. Das war Rekord, einen solchen Sprung an nur einem Tag hatte es bislang in Chicago noch nie gegeben.

Der Weltmarkt für Weizen ist inzwischen sehr sensibel. Auf jede Veränderung in irgendeinem entfernten Winkel der Welt reagiert er sofort und mit heftigen Ausschlägen nach oben. Und so stieg der Weizenpreis im April 2008 auf ein Rekordniveau.

Plötzlich war die halbe Welt in Aufruhr - von Frankreich bis Japan. Da Weizen ein wichtiger Bestandteil des Brotes ist, stiegen die Brotpreise. In Frankreich überstieg der Preis für die geliebte Baguette plötzlich die psychologisch wichtige Preisgrenze von einem Euro, was dort fast einen Volksaufstand auslöste.

Was den Franzosen ihre Baguette ist den Italienern ihre Pasta, deren wichtigste Zutat das Hartweizenmehl ist. Der Nudelhersteller Barilla erhöhte in eineinhalb Jahren seine Pastapreise um 40 Prozent und musste deshalb viel Prügel von den erbosten Italienern einstecken, die sich zu Demonstrationen und Streiks gegen die hohen Pastapreise versammelten. Und auch die japanischen Nudelhersteller konnten nicht mehr stillhalten. So stiegen auch in Japan die Preise für die Instantnudeln, ein eminent wichtiges Basisnahrungsmittel der Japaner. Der "Cup Noodle" von Nissin, ein Klassiker unter den Instantnudeln, wurde zum ersten Mal seit 17 Jahren teurer.

Der Weizenmarkt ist ein gutes Beispiel, wie schnell und unmittelbar die Weltmarktpreise auf die Verbraucherpreise durchschlagen.

Denn dieser Markt ist sehr eng. So bezeichnen Ökonomen einen Markt, der nur sehr wenige Anbieter hat. Nur ein paar Länder sind in der Lage, große Mengen an Weizen zu exportieren. Die USA, Kanada, Australien und Argentinien gehören traditionell zu den ganz Großen in diesem Geschäft, aber inzwischen mischen auch osteuropäische Länder wie die Ukraine oder Kasachstan mit. Wenn einer von diesen Staaten als Exporteur ausfällt oder seine Ausfuhren reduzieren muss, gibt es ein Problem. Beispiel Australien: Dort kommt es aufgrund des inzwischen deutlich spürbaren Klimawandels immer wieder zu Dürren. Dann sinken die Erntemengen und natürlich die Exporte. So geschehen 2007, als Australien seine Exporte von 16 auf zehn Millionen Tonnen reduzieren musste.

Warum der Weizenmarkt so nervös ist und auf jede noch so kleine Veränderung reagiert, ist leicht erklärt: Das Angebot kann mit der Nachfrage kaum mehr mithalten. Mit anderen Worten: Der Verbrauch ist größer als die Produktion. Gerd Sonnleitner, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes,sagt: "Die meisten Verbraucher haben noch nicht realisiert, dass wir in den vergangenen zehn Jahren nur eine einzige Getreideernte (nämlich im Erntejahr 2004/05) hatten, die über dem Jahresverbrauch lag." Hat in einer solchen ohnehin schon angespannten Situation eines der klassischen Weizenländer Ernteprobleme, reagiert der Markt nervös, und die Preise schnellen nach oben.

In neun der vergangenen zehn Jahren musste also auf die Reserven zurückgegriffen werden. Und so sanken Jahr für Jahr die Weizenbestände - bis sie im Erntejahr 2007/08 (Ende August) nur noch 280 Millionen Bushel betrugen. Das war der niedrigste Stand seit 60 Jahren. Greg Wagner von Horizon, einer der führenden Agrar-Analysten in Chicago, nennt diese Zahl "absolut schockierend". Denn die geringen Lagerbestände bedeuten, dass wir uns eine weitere Missernte irgendwo auf dieser Welt nicht mehr leisten können. Zwar sind dank einer sehr guten Ernte im Jahr 2008/2009 die in vielen Silos gelagerten Reserven wieder etwas aufgefüllt worden, aber noch sind wir weit von den beruhigenden Höchstmarken der früheren Jahre entfernt. Und diese werden wir wohl auch nie mehr erreichen, denn die Getreideproduktion kann nach Expertenmeinung in den kommenden Jahren kaum mit der steigenden Nachfrage mithalten. Die Lage auf dem Weizenmarkt wird deshalb angespannt bleiben. Hohe Preise sind garantiert.

Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, droht nun noch eine weitere Gefahr für die Weizenernten: Ein Pilz mit dem Kürzel Ug99 gefährdet die Weizenfelder. Ug99 heißt er deshalb, weil er 1999 im afrikanischen Uganda zum ersten Mal auftauchte und von da aus seinen Vernichtungsfeldzug begann.

Erst breitete er sich in Ostafrika aus, dann schaffte er den Sprung übers Rote Meer in den Jemen und den Iran. Nun bedroht er Pakistan und Indien, was vor allem dort verheerende Folgen hätte. "Dieser neue Pilz hat das große Potential, unseren Weizen zu zerstören", sagt Nobelpreisträger Norman Borlaug laut "Wall Street Journal".

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