Von Rezzo Schlauch und Nicolette S. Strauss
Der Führungsstil und die Unternehmenskultur: Unter all unseren Verdächtigen scheinen sie also eindeutig der Tat überführt zu sein, hauptverantwortlich für Motivation und Leistung der Mitarbeiter zu sein. Auch die Studie des großen Personalberaters und Headhunters Kienbaum "HR und Innovationsfähigkeit 2008" bestätigt: "Längst sind es nicht mehr allein die Faktoren Geld und Titel, die kluge Köpfe in die Unternehmen locken. Gefragt ist eine intelligente Mischung."
Dazu gehören Einkommen, inhaltlich interessante und idealerweise sinnstiftende Arbeit, seriöse und beständige Arbeitgeber, professionelle Führung und eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Privatleben. Gerade Firmen mit Facharbeiter- und Expertenmangel stellen fest, dass die stark umworbene Klientel auf dem Bewerbermarkt immer kritischer und selbstbewusster wird und die oben genannten Faktoren auch einfordert. "Wer das nicht begriffen hat, wird ernste Schwierigkeiten bekommen, am Topsegment der Arbeitskräfte zu partizipieren. Gerade der Mittelstand braucht hier noch Hilfestellung", so das Fazit der Studie.
Schlechtes Führungszeugnis für die Führungskräfte und die Unternehmenskultur - und als ob diese Lage noch nicht schwer genug wäre, kommt seit ein paar Jahren auch noch eine generelle Imagekrise der Manager hinzu. Erste schwere Zweifel an der Integrität so manches "Bosses" kamen beim Zusammenbruch des Neuen Marktes und der New Economy um die Jahrtausendwende. Doch damals waren die Bilanzfälscher, Aktionärspreller und Jobvernichter eher einzelne (junge) Glücksritter - Lichtjahre entfernt vom typischen seriösen deutschen Unternehmenschef. Heute stehen ganze Branchen, die Säulen unserer Wirtschaftsordnung sozusagen, am Pranger: Die Automanager - haben sie den Klimatrend verpasst und zu teure Schlitten produziert?
Die Bankmanager - haben sie ihre Hochrisiko-Investitionen nicht mehr im Griff, Milliardenwerte vernichtet und den Steuerzahler auf Generationen hin belastet? Die Gesundheitsmanager - belasten sie die Bürger mit immer höheren Abgaben und Zuzahlungen und können den "Moloch Gesundheitswesen" einfach nicht bändigen? Hinzu kommen öffentlichkeitswirksame Einzelfälle wie die Bewährungsstrafe für Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel wegen Steuerhinterziehung, die Bewährungsstrafe gegen Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid wegen vorsätzlichen Bankrotts oder die ungeklärte Verantwortung des langjährigen Siemens-Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer im Korruptionsskandal.
In all diesen Fällen geht es nicht nur um Recht und Gesetz. Es geht um eine Schlüsselqualifikation von Führungskräften: den Mut zur persönlichen Verantwortung und den Mut zur persönlichen Kommunikation und Konfrontation. Egal ob in guten oder schlechten Zeiten für das Unternehmen: Keine andere Person ist für "die Moral der Truppe" so wichtig wie der Unternehmenschef. Die "Nummer eins" ist oberster Vermittler, Interpret und Navigator. Seine oder ihre Überzeugungskraft, Glaubwürdigkeit, Sympathie, Kontaktfreude und verbale Ausdrucksfähigkeit entscheiden ganz erheblich mit darüber, ob die Mitarbeiter schleppend und gleichgültig sind oder aktiv und konstruktiv mitgestalten. Entsprechend negativ wirkt es sich aus, wenn Führungskräfte sich nicht der Kommunikation mit ihren Mitarbeitern oder der Öffentlichkeit stellen. Und noch verheerender fällt der Schaden für das Unternehmen und sein Binnenklima aus, wenn Chefs nicht in der Lage sind, Fehler einzuräumen - bis hin zum Tragen persönlicher Konsequenzen für Fehlverhalten.
Dass es anders geht, zeigte zwei Wochen nach seiner Amtseinführung US-Präsident Barack Obama, als er Fehler bei der Regierungsbildung offen eingestand: "Ich denke, ich habe es vermasselt", sagte Obama nach dem Rückzug seines Kandidaten Tom Daschle für das Amt des Gesundheitsministers wegen verspäteter Steuerzahlungen. Dem US-Fernsehsender CNN sagte der mächtigste Mann der Welt: "Ich möchte an das amerikanische Volk nicht die Botschaft aussenden, dass es zweierlei Standards gibt - einen für mächtige Menschen und einen für normale Leute, die jeden Tag arbeiten und ihre Steuern zahlen."
© manager magazin online 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH