Ein Gastbeitrag von Christoph Burger
Auffallend ist auch die Modernität der in diesem Umfeld tätigen Unternehmen: beispielsweise des finnischen Rundumanbieters Greenvironment, der schlüsselfertige Mikrogasturbinen-KWK-Anlagen für Bio- und Erdgas im Verkauf oder Contracting anbietet. Oder das englische Unternehmen Quietrevolution, dessen Windturbinen den Wind in urbanen Zentren sammeln; oder Infinia in den Vereinigten Staaten, das Haushaltsgeneratoren anbietet, die den Wärmeüberschuss zur weiteren Verwendung speichern.
Auch das Marketing der Unternehmen hat mit grünem Alternativtouch nichts mehr zu tun; stattdessen werden Lifestyle-Images mit Coolness-Faktor vermittelt, Appelle an das Umweltbewusstsein plus Eleganz. In diesem Punkt können sich die deutschen grünen Unternehmen einiges abschauen, denn über unsere moralisierenden Aufrufe zur Nachhaltigkeit sind die ausländischen Wettbewerber längst hinaus. Ärgerlich wäre, wenn man in Deutschland noch immer dabei wäre, Überzeugungsarbeit zu leisten und sich womöglich noch in der Vorreiterrolle sähe, während woanders die neuen Industrien entstehen.
Den "Green Mobile Award" 2009 hat beispielsweise Smart, ein philippinischer Mobilfunkbetreiber gewonnen. Und ein Blick in die Sustain Focus List von Goldman Sachs (2007) zeigt, dass die grünen deutschen "Vorreiter" im Bereich Emerging Industries unter 24 Unternehmen gerade mal mit sechs vertreten sind.
Dass wir uns mit der groß angelegten Ökostrominitiative Wüstenstrom trösten, die sich weltweit an die Spitze der grünen Technologie setzen möchte, ist sicherlich verfrüht. Das Milliardenprojekt Desertec - das heißt die Errichtung von thermischen Solarkraftwerken an mehreren Standorten Nordafrikas - wäre das erste Großprojekt, das sich im politisch instabilen Nordafrika durchsetzen ließe.
Auch in Bezug auf die Elektromobilität - laut VDA-Präsident Matthias Wissmann, ein Gebiet das für den "Innovationsstandort Deutschland" von großer Bedeutung ist, könnte es sein, dass andere innovativer sind. Transonic Combustion, ein kalifornisches Start-up-Unternehmen glaubt beispielsweise, ohne zusätzliche Elektromotoren, nur mithilfe des Dieselmotors eine Einspritztechnik entwickelt zu haben, mit der Autos auf 100 Kilometer lediglich zwei Liter Benzin verbrauchen. Der Markt scheint die neuen Ansätze zu belohnen, denn sowohl Risikoinvestoren als auch solche, die auf Nachhaltigkeit pochen, finden die neuen Projekte reizvoll.
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