Von Jochen Eversmeier und Christian Rickens
Hamburg - Während auf die Frage "Wie viel Vertrauen haben Sie zu ...?" Regierung und Parlament noch 2006 auf den hinteren Plätzen neun und zehn landeten, konnten sie sich nun ins Mittelfeld auf die Plätze sieben und acht vorschieben. "Die Verschiebung liegt eindeutig außerhalb des Zufallsbereichs", sagt Joachim Behnke, der die repräsentative Befragung im Auftrag der Hamburger Stiftung "Wertevolle Zukunft" konzipierte.
Behnke, Politikprofessor an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen, sieht im Vertrauenszuwachs zum Teil eine unmittelbare Reaktion auf das Krisenmanagement der Bundesregierung, zum Teil eine langfristige Trendwende: "Die These vom allmählichen Absterben des Staats zugunsten des Markts dürfte endgültig widerlegt sein."
Ganz vorn beim Ethikmonitor rangieren nach wie vor der eigene Nahbereich aus Familie, Freunden und Kollegen, gefolgt von der Polizei als besonders vertrauenswürdiger Einrichtung. Bei den Wirtschaftsinstitutionen hat sich das Vertrauen noch stärker als 2006 aufgespalten: Mittelständische Unternehmen, Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken gelten nach wie vor als vertrauenswürdig.
Großbanken und Großunternehmen hingegen konnten sich nur deshalb in der Platzierung nicht noch weiter verschlechtern, weil sie bereits vor drei Jahren beim Vertrauen ganz hinten rangierten - noch hinter Fremden, denen man das erste Mal begegnet. "Viele Menschen haben einen Mittelständler im Bekanntenkreis oder arbeiten sogar für ihn. Diese Nähe schafft Vertrauen", interpretiert Behnke die Ergebnisse.
Auch zwischen politischem, Finanz- und Wirtschaftssystem ziehen die Deutschen eine klare Trennlinie: Während 49 Prozent trotz Krise sagen, dass die Demokratie gut funktioniert, haben nur 30 Prozent eine ebenso hohe Meinung vom Wirtschaftssystem. Nur jeder Sechste (15 Prozent) ist der Ansicht, dass das Finanzsystem gut funktioniert. Kein Wunder, dass die Regulierung des Finanzmarkts bei den Deutschen derzeit als die mit Abstand wichtigste Aufgabe gilt (45 Prozent), vor Mindestlöhnen (18 Prozent) und der Ausländerintegration (16 Prozent).
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