24.08.2009
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Managerberater Charan

"Das Nachkarten ist eine Unsitte"

Von Matthias Kaufmann

3. Teil: "Es wird eine gewaltige Kraftanstrengung"

mm.de: Haben Regierungen angemessen auf die Krise reagiert?

Charan: Ich glaube, dass sie mittendrin sind. Die Europäer bewegen sich in die richtige Richtung. Sie sorgen für mehr Transparenz. Das ist der Schlüssel zur Lösung, denn ohne Transparenz lässt sich der Zustand des Systems nicht beurteilen. Um die CDOs und CDS müssen sich nun Clearing-Gesellschaften kümmern. In Europa ist man schon so weit, in den USA herrscht darüber noch Uneinigkeit.

mm.de: Wie sieht ein ideales System der Finanzmarktregulierung aus?

Charan: Für die USA habe ich einen sehr einfachen Vorschlag: Die Zentralbank sollte die gesamte Verantwortung für die Stabilisierung der Finanzmärkte bekommen - das wäre besser als die heutigen verteilten Zuständigkeiten. Selbst mit Präsident Obamas jüngsten Neuregelungen bleiben die USA weit hinter dem Notwendigen zurück. Die Regelungen für den Verschuldungsgrad müssen außerdem so schnell wie möglich verschärft werden. Und schließlich würde eine zentrale Clearing-Gesellschaft für all die Problempapiere benötigt.

mm.de: In Deutschland setzen sich manche Politiker für eine Variante der Tobin-Steuer ein: Jede Finanztransaktion soll demnach moderat besteuert werden. Was halten Sie davon?

Charan: Ich habe diesen Vorschlag noch nicht auf seine Auswirkungen auf das Gesamtsystem untersucht, aber er ist die Analyse wert. Er wäre geeignet aus dem Marktgeschehen Tempo und damit Volatilität herauszunehmen. Bei einer geschickten Ausgestaltung ließen sich Investoren von Händlern unterscheiden.

mm.de: Was ist Ihre Vorhersage? Wann werden wir einen stabilen Aufschwung erleben?

Charan: Ich kann nicht in die Glaskugel blicken, aber ich kann Vermutungen anstellen. Die Einschätzung dürfte korrekt sein, dass Kredite inzwischen wieder etwas besser fließen. Die Panik hat sich gelegt. Aber in den USA steigt die Arbeitslosigkeit weiter. In den kommenden zwei Jahren gibt es mehr Kapazitäten als Nachfrage. Daher ist nicht mit Inflation zu rechnen, es sei denn, China und Indien bringen die Einkaufspreise wieder zum Steigen.

Das Hauptproblem ist der Arbeitsmarkt. Es wird eine gewaltige Kraftanstrengung, so viele Jobs wie möglich zu halten und zu schaffen. Aber derzeit ist das viel wichtiger als das Bruttosozialprodukt und die Situation an den Aktienmärkten.

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