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24.08.2009

Managerberater Charan

"Das Nachkarten ist eine Unsitte"

Von Matthias Kaufmann

Ram Charan ist einer der einflussreichsten Berater internationaler Topmanager. Der Inder mit Harvard-Abschluss sagt im Gespräch mit manager-magazin.de, warum auch brillante Köpfe den Absturz der Wirtschaft viel zu spät erkannt haben, wieso wir jetzt nach vorne blicken sollten und warum der Arbeitsmarkt die größte Aufgabe ist.

mm.de: Herr Charan, Sie beraten viele CEOs internationaler Unternehmen. Sie sind bekannt dafür, dass Sie viel reisen. Wo erleben Sie die größten Sorgen wegen der Wirtschaftskrise?

  Ram Charan  (70) hat unter anderem Führungskräfte von KLM, Verizon und der Bank of America auf seiner Kundenliste, lange beriet er den General-Electric-Haudegen Jack Welch und den früheren Citicorp-CEO John Reed. Jahrelang lebte er ausschließlich in Hotels und kaufte sich im Alter von 67 Jahren seine erste Wohnung. Sein neues Buch heißt im englischen Original "Leadership in the Era of Economic Uncertainty" und ist unter dem Titel "Jetzt richtig handeln!" inzwischen auch auf Deutsch erhältlich.
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Ram Charan (70) hat unter anderem Führungskräfte von KLM, Verizon und der Bank of America auf seiner Kundenliste, lange beriet er den General-Electric-Haudegen Jack Welch und den früheren Citicorp-CEO John Reed. Jahrelang lebte er ausschließlich in Hotels und kaufte sich im Alter von 67 Jahren seine erste Wohnung. Sein neues Buch heißt im englischen Original "Leadership in the Era of Economic Uncertainty" und ist unter dem Titel "Jetzt richtig handeln!" inzwischen auch auf Deutsch erhältlich.

Charan: Man muss diese Krise auf zweierlei Weise betrachten. Ein Aspekt ist die Funktion der Wirtschaft, ein anderer die Geografie. Noch immer gibt es einen Mangel an Krediten im System, doch die meisten Wirtschaften können nur mit einem stetigen Kreditfluss funktionieren. Als Folge wird die Arbeitslosigkeit weiter ansteigen. Wenn so die Einkommen der Konsumenten fallen oder stagnieren, werden Sie sparen müssen. Das trifft die verschiedenen Wirtschaftsbereiche unterschiedlich hart. Die Luxusgüterindustrie etwa sieht harten Zeiten entgegen. Daher müssen sich die entwickelten Länder die meisten Sorgen machen, während China und Indien in einer ganz anderen Ausgangslage sind.

mm.de: Was raten Sie Unternehmenslenkern, die Sie konsultieren? Wie sollen die mit der Situation umgehen?

Charan: Führungspersönlichkeiten in der Wirtschaft - nicht nur CEOs - sollten ein paar einfache Regeln beherzigen. Eine davon: Auch diese Krise wird eines Tages vorüber sein. Bis dahin müssen sie und ihre Teams ihre Vision für die Zeit nach der Krise ausarbeiten - und einen Plan für die Umsetzung entwickeln. Zweitens: Solange die Finanzierungsbedingungen so schwierig bleiben, wie sie sind, müssen sich Unternehmen auf den Kern ihres Geschäfts konzentrieren. Ihre Leitfrage muss lauten: Was brauchen wir, um zu überleben? Und drittens: Kein Unternehmen kann ohne Mitarbeiter wachsen. Also müssen sie sich auch in der Krise darum sorgen, ihre wichtigsten Mitarbeiter zu halten.

Diese wichtigen Fragen werde ich mit Managern der deutschen Elektronikindustrie im November auf der Fachmesse "Productronica" in München diskutieren. Darauf freue ich mich schon.

mm.de: Wenn Sie mit CEOs sprechen, deren Verhalten mit in die Krise geführt hat, zeigen dann einige von ihnen Reue?

Charan: Sie verlangen von mir, dass ich einzelne Akteure wegen ihrer Entscheidungen zu Beginn der Krise bloßstelle. Aber man darf nicht vergessen, dass diese Krise für die meisten, wenn nicht für alle, sehr überraschend kam. Sie war kaum vorherzusehen, und auch brillante Köpfe haben die Dimension des Absturzes viel zu spät erkannt. Der Grund dafür ist, dass es das System selbst war, das zusammenbrach. Dadurch war es für Wirtschaftsführer sehr schwierig, die Gründe für Probleme in ihren jeweiligen Unternehmen rechtzeitig zu erkennen. Und besonders vor diesem Hintergrund muss man zugeben: Irren ist menschlich. Nun muss die Wirtschaft nach vorne blicken. Dieses Nachkarten ist eine Unsitte.

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