Ähnlich sieht es bei der Stadt Hamburg aus, mit durchgerechnet 23 Prozent der zweitgrößte Eigner. Die Stadt hat sich schon im Zusammenhang mit der HSH Nordbank finanziell bis aufs Hemd entblößt. Mögliche neue Zahlungen an Hapag-Lloyd sind denn auch sofort in den parteipolitischen Streit geraten. Der Speditionsunternehmer Klaus- Michael Kühne hatte zunächst öffentliche Sparappelle an Hapag-Lloyd gerichtet und ist nun verstummt.
Er hat den Spaß an seinem Engagement von 15 Prozent wohl verloren und nahm an der Eigentümerversammlung nicht teil. Die HSH Nordbank als weiterer Eigner kann selbst nur durch staatliche Hilfe überleben. Und die beiden Versicherungen Signal Iduna und Hanse-Merkur müssen bei ihrer Geldanlage zum Schutz der Versicherten feste Regeln beachten und können nicht nach Gutdünken Kapital in die Schifffahrt lenken.
Die entscheidende Frage für Hapag-Lloyd und alle anderen Reedereien lautet: Wie lange dauert die Krise, wann geht es wieder aufwärts? Seit dem vergangenen Herbst sind die Frachtraten, die Preise für den Warentransport, drastisch gefallen. Immer weniger Container, aber auch Kohle und Stahl, müssen transportiert werden; immer mehr Schiffe drängen in den Markt.
Im ersten Quartal 222 Millionen Euro verloren
Wegen der Unwägbarkeiten sind gegenwärtig keine Marktprognosen und -einschätzungen von Banken oder maritimen Institutionen erhältlich, so wenig wie aktuelle Daten zum Containertransport. Aber eigentlich sind alle einig: 2009 kann man als Katastrophenjahr abhaken; gegenwärtig verdient keine Reederei auf der Welt Geld. Und 2010 wird es noch nicht viel besser.
Hapag-Lloyd hat im ersten Quartal 222 Millionen Euro verloren und im zweiten vermutlich nicht weniger. Die Reederei hat sich mit einem rigiden Sparprogramm, einem Investitionsstopp und Personalabbau auf die Krise eingestellt.
Andere Reedereien reagieren ähnlich, sparen und besorgen sich neues Kapital von Eigentümern oder Banken. Dazu gibt es Zusammenarbeit auf manchen Strecken; Schiffe werden stillgelegt, Frachtraten angehoben, wo immer es möglich scheint. Wer den längsten Atem hat und überlebt, übernimmt nach der Krise die beste Startposition. Denn eines erwarten die Reederei-Chefs mit Sicherheit: Den Aufschwung nach der Krise.
Von Eckart Gienke, dpa
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