Hamburg - Die Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd gilt als Perle der maritimen Industrie in Deutschland, als eine der besten Reedereien der Welt. Doch mit der Wirtschaftskrise und dem Einbruch des Welthandels ist auch Hapag-Lloyd wie alle Reedereien in schwere See geraten. Die Eigentümer ringen miteinander um neues Eigenkapital, um das Flaggschiff der deutschen Schifffahrtsbranche durch die Schlechtwetterzone zu bringen. Gleichzeitig denken sie darüber nach, sich um staatliche Kredite und Bürgschaften zu bemühen. Der Diskussions- und Entscheidungsprozess ist in vollem Gange und könnte noch in diesem Monat abgeschlossen werden.
Rund 1,75 Milliarden Euro, so meldeten am Donnerstag verschiedene Medien, braucht das Unternehmen, um die nächsten Jahre zu überstehen. Diese Zahl wird offiziell nicht bestätigt, so wie überhaupt keiner der Beteiligten sich öffentlich äußert. "Jede Zahl ist willkürlich", sagt ein Kenner der Materie.
Es gehe darum, die möglichen Risiken für die Reederei für die kommenden Jahre abzuschätzen und finanziell abzudecken. Dabei ist ein Bürgschaftsrahmen von rund einer Milliarde Euro im Gespräch, um Bankkredite abzusichern. Ob dieser Rahmen dann auch ausgeschöpft würde, ist völlig offen.
Dazu kommt eine Aufstockung des Eigenkapitals, wobei eine Summe von 750 Millionen Euro kolportiert wird. Das ist aber ziemlich fraglich. "Weder die Summe noch die Aufteilung auf die Partner ist bislang beschlossen", sagt ein Experte aus dem Eignerkreis. Denn obwohl sich die Eigentümer bei ihrer Versammlung am Mittwoch grundsätzlich darauf verständigten, Hapag-Lloyd zu stützen, so hat doch jeder einzelne gute Gründe, um seine Taschen zuzuhalten.
Das gilt vor allem für den ehemaligen Mutterkonzern Tui
, der noch immer 43 Prozent hält und damit größter Einzelaktionär bei Hapag-Lloyd ist. Die Tui musste bereits mehrfach einspringen und hat bereits 1,4 Milliarden Euro Kredit bereitgestellt. Die Mittel sind inzwischen abgeflossen - aber offensichtlich reichen sie nicht aus.
Der Tui-Konzern hat jedoch kaum eine andere Wahl, als sich bei der notleidenden Tochter zu engagieren. Wie das geschehen soll, darüber wollen die Aufsichtsräte an diesem Freitag beraten. Die Bereitschaft, noch einmal viel Geld in die Hand zu nehmen, scheint aber nicht besonders ausgeprägt zu sein.
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