Berlin/München - Die Arcandor-Tochter Quelle darf hoffen. Die bayerische Landesregierung will dem insolventen Fürther Versandhaus Quelle mit einer Bürgschaft über knapp 21 Millionen Euro helfen. Bayern sei bereit, sich entsprechend an einer Bund-Land-Bürgschaft von 50 Millionen Euro zu beteiligen, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Donnerstagabend nach einer Sondersitzung des bayerischen Kabinetts zusammen mit Vertretern des Unternehmens. Damit soll die Finanzierung der Druckkosten für den neuen Quelle-Katalog ermöglicht werden.
Er habe dies bereits mit Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) telefonisch besprochen. Bis Freitagvormittag sei es nun Aufgabe der Banken, eine Konsortiallösung zur Finanzierung des Quelle-Geschäftsbetriebs sicherzustellen. Falls dies gelinge, werde am Freitagmittag von Arcandor-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg der Druckauftrag für den Katalog gegeben. Dies sei für die Arcandor-Tochter Quelle sehr wichtig.
Der Winterkatalog mit etwa 1000 Seiten gilt als erheblicher Kostenblock, ist aber auch die Visitenkarte des Unternehmens. Kein Versandhaus hat bisher geschafft, seine Umsätze im Internet so zu steigern, dass auf solche Kataloge verzichtet werden könnte.
Seehofer sagte, es sei nun "rasches Handeln für den Fortbestand" des Traditionsunternehmens notwendig. "Ich bin froh über das Ergebnis", sagte er. Es sei wichtig für das Überleben von Quelle. Zugleich mahnte er, die Rettung sei noch nicht geschafft. Man habe "noch einen sehr, sehr schwierigen Weg" zu beschreiten.
Insolvenzverwalter Görg sagte, er sei "sehr zuversichtlich", dass der Geschäftsbetrieb nun wieder aufgenommen und für "lange Zeit" fortgeführt werden könne. Die Banken sollen bis Freitagvormittag eine Lösung ausarbeiten, um die Finanzierung des Quelle-Geschäfts sicherzustellen. Ohne die Bürgschaft könnte das Geschäft des Tochterunternehmens des insolventen Arcandor-Konzerns
bereits in den nächsten Tagen zum Erliegen kommen. "Am vergangenen Donnerstag ist Quelle von der dringend notwendigen Finanzierung durch die Factoring-Bank abgeschnitten worden", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Donnerstag in Essen. Diese Zusammenarbeit sei aber "kriegsentscheidend".
Der Handels- und Dienstleistungskonzern Otto hat derweil bekräftigt, den Konkurrenten Quelle aus dem angeschlagenen Arcandor-Konzern nicht übernehmen zu wollen. "Wir glauben nicht, dass die Sanierung von Quelle erfolgreich möglich ist", sagte Otto-Chef Hans-Otto Schrader. Für den Umbau eines Versandhandelsunternehmens seien drei bis fünf Jahre erforderlich; diese Zeit habe Quelle nicht. Otto wäre aber durchaus an anderen Teilen von Arcandor interessiert, ohne auf Einzelheiten einzugehen.
Schrader betonte, er sei vom Insolvenzverwalter bisher nicht angesprochen worden sei. Im Rahmen der Arcandor-Insolvenz hat das Unternehmen am Donnerstag einen weiteren Insolvenzantrag gestellt. Als 20. Gesellschaft habe der Essener IT-Dienstleister Itellium einen entsprechenden Antrag vorgelegt, berichtete Insolvenzverwalter Görg.
manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters
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