mm.de: Professor Horn, die Regierung Obama hat Kernpunkte einer neuen Finanzmarktregulierung umrissen. In den Medien bekommt dieser Plan das Etikett "Radikalreform". Finden Sie die Regeln radikal?
Horn: "Radikal" wäre nicht meine Wortwahl. Aber wenn Sie sich ansehen, welche Freiheiten die Finanzjongleure der Wall Street bisher genießen, dann muss man schon zugeben: Der Obama-Plan ist ein Paradigmenwechsel.
mm.de: Reicht er denn aus, um eine neue große Finanzkrise zu verhindern?
Horn: Ich denke, dass diese Chance besteht. Wichtig ist, dass man die Lehre gezogen hat, alle Institute unter Beobachtung zu stellen, die bisher als "too big to fail" galten. Aber man muss abwarten, wie die Gesetze am Ende aussehen und umgesetzt werden. Die Regulierung wird ihre schützende Wirkung nur entfalten, wenn sie mit der nötigen Härte und Konsequenz durchgesetzt wird.
mm.de: Amerika gilt als Hort besonders freier Märkte. Wie realistisch ist eine harte Regulierung?
Horn: Täuschen Sie sich nicht! Die lange Leine für die Wall Street ist eine Entwicklung der vergangenen zwei bis drei Jahrzehnte. Historisch gesehen waren Finanzmärkte in den Vereinigten Staaten die meiste Zeit ein Geschäftsfeld, das der Staat strengstens überwacht hat. Von daher wäre eine Rückkehr zu dieser Tradition nichts Befremdliches.
mm.de: Welche Punkte des Pakets halten Sie für die wichtigsten?
Horn: Ich begrüße vor allem die Grundphilosophie, sämtliche großen Institute in die Pflicht zu nehmen, weil sie das Potenzial haben, eine ganze Volkswirtschaft ins Wanken zu bringen. Außerdem ist es wichtig, dass Obama in den Derivatehandel eingreift, denn diese Finanzprodukte sind nicht nur der Auslöser der Krise, sie waren auch nie wertschöpfend. Der Präsident will eine größere Transparenz durchsetzen, damit Käufer den tatsächlichen Wert dieser Schuldverbriefungen besser einschätzen können.
mm.de: Wo sehen Sie die gravierendsten Lücken?
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