Schlechte Stimmung zum 100. Geburtstag der Paris Air Show. Inmitten der schwersten Luftfahrtkrise aller Zeiten kommt die Weltbranche des Flugzeugbaus ab Montag zu ihrer traditionellen Leistungsschau auf dem Flughafen Le Bourget zusammen.
Geburtstagsparade in Le Bourget: Die Paris Air Show gibt es seit 100 Jahren
Paris - Es sollte ein großes Fest werden: Die Pariser Luftfahrtschau wird 100 Jahre. Dazu feiert Boeing
seinen 100. Geburtstag und Airbus wird 40. Doch die Einbrüche am Markt, die Milliardenverluste vieler Kunden und der mysteriöse Absturz der Air-France-Maschine verderben die Festlaune.
Knapp 2000 Aussteller präsentieren in Le Bourget vom 15. bis zum 21. Juni ihre Produkte. Airbus schickt unter anderem sein Flaggschiff A380-800. Alleine dieses größte Verkehrsflugzeug der Welt hätte die Dimension der ersten internationalen Pariser Luftfahrtmesse 1909 gesprengt. Damals konnten die Fluggeräte der tollkühnen Piloten noch unter der Glaskuppel des Grand Palais mitten in Paris den staunenden Gästen präsentiert werden.
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Boeings Star ist nicht dabei: Der "Dreamliner" 787 wurde nicht rechtzeitig flügge. Das Langstreckenflugzeug aus Verbundstoffen soll zwar noch in diesem Monat endlich zu seinem Jungfernflug abheben. Bis nach Paris-Le Bourget schafft er es aber nicht. Der 787-Konkurrent von Airbus, die A350, wird frühestens 2013 erwartet. Bis dahin tritt Airbus gegen die 787 mit der A330 an, die nach dem Absturz der Air- France-Maschine in den Atlantik ins Gerede gekommen ist. Die A330 und die längere A340 sind in Le Bourget zu sehen.
Eine Augenweide für Liebhaber sind wieder die historischen Flugzeuge. Blutrot präsentiert sich der Doppeldecker DRI. Die legendäre Junkers Ju 52 wird ihre Runden drehen. Von der offenen Bleriot XI aus den Pioniertagen über die Lockheed Constellation bis zur Spitfire und Yak3 sind viele Stars des Flugzeugbaus dabei. Auch die C160 Transall wird in Le Bourget schon als Oldtimer präsentiert.
Mehr als 200.000 Besucher werden zur Paris Air Show (früher Salon de l'Aéronautique et de l'Espace) erwartet. Präsident Nicolas Sarkozy hat sich angesagt und trotz der Krise ist die Messe restlos ausgebucht. Das Militärgeschäft und die Raumfahrt laufen derzeit hervorragend. Vor allem Drohnen sind ein Renner. Und im Zivilbereich drängen neue Anbieter auf den Markt. Suchoj zeigt das russische Verkehrsflugzeug Superjet 100 und die chinesische Industrie präsentiert erstmals ihre Kompetenzen.
Marktkenner erwarten, dass Boeing und Airbus mit einer Reihe Vertragsabschlüsse auf der Messe die Krisenstimmung zu vertreiben versuchen werden. Eine Auftragsflut wie 2007 dürfte es aber nicht geben. Seit Jahresbeginn ist der Flugzeugmarkt praktisch ausgetrocknet. Die französische Zulieferindustrie forderte zur Messe deswegen weitere Staatshilfen. Boeing hat in den ersten fünf Monaten netto keine einzige Maschine verkauft; auf 65 Neuaufträge kamen ebenso viele Stornierungen. Airbus ist bei 32 Neuaufträgen und 21 Abbestellungen unter dem Strich gerade mal elf Maschinen losgeworden.
Und die Zukunft des Flugverkehrs sieht kurzfristig düster aus. Der Luftfahrtweltverband IATA rechnet für 2009 mit Verlusten der Fluggesellschaften von neun Milliarden Dollar. Die Einnahmen dürften um ein Siebtel auf 448 Milliarden Dollar einbrechen. Der Flugverkehr schrumpft in diesem Jahr stärker als je zuvor in Friedenszeiten.
Weltweit streichen die Fluggesellschaften ihre Flottenpläne zusammen. Dennoch peilt Airbus für das Gesamtjahr weiter brutto 300 Aufträge an. Langfristig setzt die Branche sowieso auf Wachstum. "Der Flugverkehr verdoppelt sich alle 15 Jahre", sagt Airbus-Verkaufschef John Leahy. Boeing und Airbus sitzen auf prallen Auftragsbüchern und der teure Sprit und der Umweltschutz zwingen zur Flottenerneuerung. Beide Hersteller hoffen, dass dies in Le Bourget schon spürbar wird.
Hans-Hermann Nikolei, dpa
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