Von Arvid Kaiser
Lettland sei nur das schwächste Glied in der Kette. Für die baltischen Nachbarn Estland und Litauen hätte eine Abwertung des Lats wohl schwere Konsequenzen, weil Lettland zu deren wichtigsten Handelspartnern zählt. Der Druck, dass Esten und Litauer ihrerseits die Landeswährungen abwerten, wäre stark, meint Stokes. "Alle drei baltischen Volkswirtschaften werden in diesem Jahr mit zweistelligen Raten schrumpfen, und alle haben ihre Währung an den Euro gebunden", so die Ökonomin.
Eine weitere Gemeinsamkeit der Balten würde die schwedischen Banken Swedbank, SEB
Mit anderen osteuropäischen Ländern seien die Balten zum Glück nicht stark verflochten, analysiert Stokes. Dennoch könnte der Domino-Effekt dort weitergehen, als Folge eines "Weckrufs" für die Märkte: Die Probleme mit Krediten in Fremdwährung seien in mehreren Ländern ähnlich den lettischen, auch die Bindung des bulgarischen Lew an den Euro könnte das Land überfordern. Rumänien und Ungarn werden zwar mit Milliardenkrediten des IWF gestützt, doch Lettlands Probleme könnten "die Tatsache betonen, dass ein Rettungspaket allein nicht reicht, um eine ausgewachsene Krise abzuwenden", meint Stokes.
Überall dort, wo EU und IWF helfen, verstärkt zudem der erzwungene Sparkurs die Krise. In Ungarn hat das Parlament beschlossen, die Renten zu kürzen und die Mehrwertsteuer von 20 auf 25 Prozent anzuheben. Noch mehr ist in Planung, um das Staatsdefizit zu begrenzen. "Wir gehen davon aus, dass diese Sparmaßnahmen den privaten Konsum deutlich belasten und somit die Rezession noch vertiefen werden", sagt Dekabank-Ökonomin Daria Orlova.
Die Ukraine hat dem IWF für die im Mai genehmigte zweite Tranche von 2,8 Milliarden Dollar zugesagt, den Wechselkurs der Landeswährung Griwna zum Dollar freizugeben, der seit März bei 8 zu 1 eingefroren ist. Doch die Devisenkontrolle habe "einiges an Verkaufsdruck angestaut", heißt es in einer Analyse von Dresdner Kleinwort. Nach einer Freigabe müsse die Zentralbank entweder eine deutliche Abwertung und damit den Kollaps privater Schuldner zulassen oder die Zinsen radikal anheben, was "Gift für die ohnehin gebeutelte ukrainische Wirtschaft" wäre. Deshalb spiele die Ukraine jetzt auf Zeit, glauben die Analysten - und "mit der Geduld des IWF".
Die frühzeitig dem Euro beigetretenen Länder Slowenien und Slowakei sind heute Inseln der Glückseligen in Osteuropa, weil sie zumindest keine Währungsprobleme haben. Der IWF schlägt sogar offen vor, die Osteuropäer sollten einfach einseitig ihre eigenen Währungen abschaffen und den Euro zum offiziellen Zahlungsmittel erklären, ohne in die Währungsunion aufgenommen zu werden. Das würde deren Schuldenprobleme allerdings auch zum Problem für den Euro
machen.
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