Hamburg - Guttenberg hält alle drei Konzepte, die Magna
, Fiat und der Finanzinvestor RHJ vorlegten, bislang für unzureichend. "Eine Risikoanalyse, die keine Zweifel lässt, steht noch aus", sagte Guttenberg dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. "Insofern bleibt auch eine geordnete Insolvenz immer noch eine Option." Auch
in den Bundesländern mit Opel-Standort werden die Angebote, die die drei Bieter am Mittwoch vorlegten, kritisch bewertet.
Ähnlich äußerte sich der Minister gegenüber der "Bild am Sonntag" (BamS): "Uns liegen jetzt drei Angebote für eine Übernahme von Opel vor. Das bedeutet aber nicht, dass eines davon automatisch und zwingend zum Tragen kommt. Zuvor müssen wir eine hohe Sicherheit dafür haben, dass die erheblichen Steuermittel, die wir dafür einsetzen müssen, nicht verloren gehen. Diese Sicherheit gewährleistet bislang aus meiner Sicht noch keines der drei Angebote in ausreichender Weise." Bliebe es bei diesen Defiziten, wäre eine geordnete Insolvenz die klar bessere Lösung - auch sie könnte Chancen für die Zukunft Opels eröffnen, sagte er der "BamS".
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) verlangte unterdessen von den Opel-Interessenten mehr finanzielles Engagement. "Es kann nicht sein, dass alle Risiken vom Staat abgedeckt werden", sagte Koch dem "Handelsblatt" (Montagausgabe). "Wir wollen motivierte Unternehmer als neue Eigentümer haben, die wissen, dass sie über viel Steuerzahlergeld entscheiden, wenn sie die Firma gut oder schlecht führen. Der beste Weg diese Motivation zu zeigen ist, dass man selbst etwas riskiert."
Auch im Angebot des österreichisch-kanadischen Zulieferers Magna sieht Koch nach eigenen Worten noch viele offene Fragen. Doch habe auch das nachgebesserte Konzept von Fiat an der Präferenz für Magna nichts geändert. Eine substanzielle Veränderung könne er darin nicht erkennen. Der Bedarf an öffentlicher Unterstützung sei immer noch wesentlich höher als bei den anderen Bietern: "Es bleibt bei den konkreten Gesprächen mit Magna." Allerdings könne Fiat die Messlatte dieser Gespräche mit seinem neuen Angebot höher legen.
Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte für den Fall einer Opel-Übernahme den Beschäftigten weitgehende Garantien zugesichert. "Im ungünstigsten Fall wären in Deutschland maximal 2000 Arbeitsplätze durch die Integration von Opel in ein schuldenfreies Gemeinschaftsunternehmen mit Fiat betroffen", sagte der Chef des italienischen Konzerns der "BamS". Sein Unternehmen bekenne sich überdies zu "allen in Deutschland geltenden arbeitsrechtlichen Bestimmungen, insbesondere zum Betriebsverfassungsgesetz und der Mitbestimmung".
Marchionne gibt sich selbstbewusst
In das Fiat-Konzept für eine Übernahme von Opel sind nach Marchionnes Darstellung auch Pensionsverpflichtungen in Höhe von rund vier Milliarden Euro eingerechnet. Ein Gemeinschaftsunternehmen aus Fiat und GM Europe werde die erhofften Staatsgarantien in spätestens fünf Jahren ablösen, fügte er hinzu. "Unser Konzept erfüllt am besten alle Kriterien", gab sich Marchionne zuversichtlich, dass Fiat das Bieter-Rennen gewinnen werde. "Jeder, auch in der Politik, der die Grundrechenarten beherrscht, kann dies nachprüfen." Fiat hatte am Samstag sein Konzept nachgebessert.
Der Zulieferer Magna dagegen knüpft eine Rettung des Autobauers Opel
offenbar an weitere staatliche Hilfen. Das geht aus dem Übernahmekonzept Magnas hervor, das der Konzern bei der Bundesregierung eingereicht hat. Magna
werde mit dem Opel-Mutterkonzern General Motors (GM)
, der Bundesregierung und dem Pensionssicherungsverein zusammenarbeiten, "um eine akzeptable Lösung zu finden und einzuführen", heißt es in dem Konzept.
Magna stellt zudem in Aussicht, jedes Jahr 2 Prozent seines Nettogewinns für wohltätige Zwecke zu spenden. Obwohl in den deutschen Werken Personal abgebaut wird, sollen die Fertigungszahlen kräftig steigen. So sollen in Rüsselsheim nach den Plänen künftig 250.000 Autos vom Band rollen, derzeit sind es nur 160.000. Selbst in Bochum soll die Produktion um 58.000 Einheiten steigen.
Magna hatte am Freitag mitgeteilt, bei einer Opel-Übernahme mit seinem russischen Partner Sberbank 700 Millionen Euro in den angeschlagenen deutschen Autobauer investieren zu wollen. Die Summe solle teils von der Bundesregierung garantiert werden. Das nicht-bindende Kaufangebot von Magna sieht nach eigenen Angaben vor, dass GM einen Anteil von 35 Prozent an dem deutschen Autobauer behalten solle, erklärte Magna.
Am Montag will die Regierung erneut zusammenkommen und möglicherweise eine Vorentscheidung treffen.
manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters
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