Von Grit Beecken
mm.de: Und all das wird nicht mehr gelehrt?
Starbatty: Zumindest deutlich weniger als früher. Die einseitig mathematisierte Volkswirtschaftslehre führt dazu, dass man weniger das politische Umfeld betrachtet, und sich nahezu ausschließlich auf die Modelle konzentriert, die in den verschiedenen Fachzeitschriften diskutiert werden.
mm.de: Wie ist es zu dieser paradigmatischen Wende gekommen?
Starbatty: Das ist ein internationaler Trend. Sie können in den internationalen Fachzeitschriften nur noch publizieren, wenn Sie in diesem Mainstream schwimmen - und der besteht eben aus der mathematischen Modelltheorie. Volkswirte müssen die Modelle aufnehmen, die in den USA diskutiert werden.
Wenn Sie deutsche Probleme behandeln, dann wird das international nicht zur Kenntnis genommen. Es interessiert den Amerikaner nicht, welche volkswirtschaftlichen Probleme eine geänderte Erbschaftssteuer in Deutschland aufwirftt. Deswegen konzentriert man sich eben auf die Probleme, die in den "Journals" diskutiert werden, und nicht auf die Probleme, die die Welt bewegen.
mm.de: Ist diese Entwicklung reversibel?
Starbatty: Ja, aber das wird etwa drei Jahrzehnte dauern. Irgendwann wird die Dominanz der mathematisch orientierten Ökonomie abgelöst werden. John Maynard Keynes hat einmal gesagt, dass Politiker immer das vertreten, was sie vor dreißig Jahren gelernt haben. Ähnliches gilt auch in der Hochschulpolitik.
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