Mittwoch, 8. Februar 2012, 17:20 Uhr

manager magazin



26.05.2009
 

33 Sofortmaßnahmen

Was kommt nach der Krise?

Von Hermann Simon

Staaten verschulden sich in extremer Weise, und Zentralbanken werfen die Notenpresse an, um die Finanzkrise zu überwinden. Ergebnis wird langfristig eine starke Geldentwertung sein, ist sich Hermann Simon sicher. Unternehmen und Investoren sollten darauf vorbereitet sein: manager-magazin.de präsentiert im dritten Teil Auszüge aus "33 Sofortmaßnahmen gegen die Krise".

Der gesellschaftlich-politische Rahmen dürfte sich durch die Krise in wesentlichen Punkten verändern. Es sind Fakten entstanden, die mit Sicherheit in die Zukunft hineinwirken. Die enorm angewachsene Verschuldung der Staaten, die Ausweitung der Geldmenge, zunehmende Arbeitslosigkeit und drohender Protektionismus dürften nicht ohne Folgen bleiben.

  Hermann Simon  ist Chairman der Unternehmensberatung Simon, Kucher & Partners. Er zählt zu den bedeutendsten Managementdenkern im deutschsprachigen Raum. Bis 1995 war er Inhaber des Lehrstuhls für Management und Marketing an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Er absolvierte Gastprofessuren an Universitäten wie der Harvard Business School, der Stanford University und der Keio University.
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Hermann Simon ist Chairman der Unternehmensberatung Simon, Kucher & Partners. Er zählt zu den bedeutendsten Managementdenkern im deutschsprachigen Raum. Bis 1995 war er Inhaber des Lehrstuhls für Management und Marketing an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Er absolvierte Gastprofessuren an Universitäten wie der Harvard Business School, der Stanford University und der Keio University.

Die Krise trifft einzelne Gesellschaftsgruppen, Länder und Regionen unterschiedlich hart. So sagt Christoph Schmidt, Mitglied des Sachverständigenrates: "Hauptsächlich wird es die niedrig Qualifizierten und Geringverdiener treffen. In guten wie in schlechten Zeiten verliert diese Gruppe häufiger die Beschäftigung als die Gruppe der besser Qualifizierten. In der Krise nimmt dieses Ungleichgewicht zum Ungunsten der niedrig Qualifizierten noch zu."

Die Diskrepanzen im Wohlstandsniveau verschärfen sich. Soziale Spannungen sind eine zwangsläufige Folge dieser Entwicklungen. Bereits heute hat man den Eindruck, dass das gesellschaftliche Klima rauer geworden ist. Mit ansteigender Arbeitslosigkeit wird sich diese Tendenz verstärken. In einer aktuellen Studie gaben 77 Prozent der 5000 Befragten an, dass es einen starken Konflikt zwischen Arm und Reich in Deutschland gebe, vor zehn Jahren meinten dies erst 55 Prozent. Mit einer Zunahme der Kriminalität ist zu rechnen. Die Welt wird durch die Krise unsicherer. Ob die Wähler bei anhaltender Rezession stärker zu radikalen Parteien neigen, bleibt abzuwarten. Diesbezüglich ist die aktuelle Krise allerdings nicht mit der Depression der dreißiger Jahre vergleichbar - zumindest bisher nicht.

Auch Regionen werden von der Krise sehr unterschiedlich betroffen. Innerhalb der Europäischen Union nehmen die Spannungen zwischen Ost und West zu. In Schwellen- und in Entwicklungsländern gibt es Befürchtungen vor Massenunruhen. So sagte der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao, dass China "rund 8 Prozent" Wachstum brauche, um solche Unruhen zu verhindern. Dominique Strauss-Kahn, Direktor des internationalen Währungsfonds, spricht von einer "dritten Welle", in der aufkeimende Volkswirtschaften zerstört und Fortschritte bei der Armutsbekämpfung zunichte gemacht werden.

Aus stärkeren sozialen Spannungen erwachsen Konsequenzen für die Unternehmensführung. So können sich in den Unternehmen störende Auswirkungen auf Betriebsklima und Leistungsfähigkeit ergeben. Der Schweizer Unternehmer Michael Pieper, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Franke-Gruppe, berichtet: "Wird in guten Zeiten vielleicht einmal im Monat ein Diebstahl in einer Fabrik oder einem Lager gemeldet, so passiert das jetzt oft." Marktseitig nimmt die Nachfrage nach Sicherheitsprodukten und -dienstleistungen zu.

Umgekehrt dürften Produkte des demonstrativ-öffentlichen Konsums leiden. Luxusautos verkaufen sich in Ländern mit starken sozialen Spannungen vergleichsweise schlecht. Auch Immobilien erfahren durch die Zunahme sozialer Diskrepanzen eine stärkere Preis- und Strukturspreizung - von Elendsvierteln bis zu bewachten Wohnquartieren, sogenannten "Gated Communities", zu denen nur Berechtigte Zutritt haben. Es ist unwahrscheinlich, dass es in Deutschland in Folge der Krise zu solchen Extremerscheinungen kommt, aber Teilentwicklungen in diese Richtung sind nicht auszuschließen. Sorgfältige Beobachtung und passende Vorsichtsmaßnahmen erscheinen angezeigt.

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