15.05.2009
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Finanzkrise

Westliche Banken verlassen China

Von Arvid Kaiser

4. Teil: Wie Peking die Banken steuert

"Es ist wichtig, dass die chinesischen Banken sich langfristig weiter um behutsames Risikomanagement bemühen", findet auch die Deutsche Bank. Kurzfristig gebe es dafür keine Chance - auch wegen politischer Vorgaben der Regierung. Sie versuche, die Banken antizyklisch zu steuern, um die Wirtschaft zu stützen. Während der Staat vor Ausbruch der Krise das Kreditwachstum begrenzt habe, sei er nun aggressiv umgeschwenkt zu einer leichten Geldpolitik und fordere die Banken auf, mehr Kredite zu vergeben.

Das funktioniert: Im März gewährten die chinesischen Banken neue Kredite über 1,89 Billionen Yuan (gut 200 Milliarden Euro) - Rekord. Besonders die großen Institute taten sich hervor. Im ersten Quartal verdoppelte die Bank of China ihr Kreditvolumen gegenüber dem Vorjahr. Die CCB verdreifachte ihres sogar, und die ICBC kam auf fast viermal so viele Kredite wie Anfang 2008.

Gut gebrüllt Drache: Im März gewährten die chinesischen Banken neue Kredite über 1,89 Billionen Yuan (gut 200 Milliarden Euro) - Rekord.
DPA

Gut gebrüllt Drache: Im März gewährten die chinesischen Banken neue Kredite über 1,89 Billionen Yuan (gut 200 Milliarden Euro) - Rekord.

Genauso schnell, wie die Banken auf Geheiß Pekings die Wirtschaft ankurbeln, können sie auch wieder auf Normaltempo zurückschalten, um wieder mehr Vorsicht walten zu lassen. Im April brach die Kreditvergabe auf nur noch 600 Milliarden Yuan ein, bestätigte Zentralbankgouverneur Zhou Xiaochuan. "Die Zahl kommt ungefähr hin", sagte er am Montag, auch wenn noch keine Statistik vorliege.

Fällt die Wachstumsrate der chinesischen Wirtschaft unter 7 Prozent, so die Pekinger Faustregel, drohen soziale Unruhen. Der Abschied von den Rekordraten der Vorjahre hat bereits schätzungsweise 20 Millionen Arbeitsplätze vor allem von Wanderarbeitern in der Exportindustrie gekostet. Die Exportnachfrage fällt weiterhin ungebremst, also muss im Inland für Ersatz gesorgt werden.

Mit knapp fünf Billionen Yuan, umgerechnet fast 500 Milliarden Euro, hat die chinesische Regierung das weltweit größte Konjunkturprogramm gemessen an der Wirtschaftsleistung aufgelegt. Der Staat will vor allem in Infrastruktur, ein besseres Gesundheitswesen, Umwelttechnik und eine bessere Entwicklung der ländlichen Regionen investieren. Das Mammutprogramm könnte ausreichen, um China auf Wachstumskurs zu halten.

Goldman Sachs erwartet, dass die Banken unterm Strich von den staatlichen Maßnahmen profitieren, weil der makroökonomische Gegenwind abnimmt und damit auch die eigenen Kreditrisiken. "Wir glauben, dass Banken mit Fokus auf inländische Kreditvergabe, starken Filialnetzen und ausreichend Mitteln zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten etwas besser dastehen werden", heißt es in einer Studie. Die Empfehlung: Aktien kaufen, besonders von Banken wie ICBC oder CCB.

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