Von Arvid Kaiser
Hamburg - Kenneth Lewis bekennt sich zur "strategischen Partnerschaft". In Worten jedenfalls. "Wir wollen immer einen sehr großen Eigentumsanteil halten", sagte der Chef der Bank of America
(BoA) noch am Dienstag in einer Telefonkonferenz über die China Construction Bank
(CCB). Wollen und Können liegen wohl derzeit etwas auseinander, denn dem Vernehmen nach hat die BoA ihren CCB-Anteil von 16 auf 11 Prozent gesenkt und dafür knapp acht Milliarden Dollar eingenommen - 14 Prozent weniger, als das Paket derzeit an der Hongkonger Börse kosten würde.
Über das Motiv braucht man nicht lange rätseln. Lewis treibt die pure Not aus dem Investment hinaus. Nach dem Stresstest verlangt die heimische Bankenaufsicht, dass die Bank of America ihr Kapitalpolster um 34 Milliarden Dollar stärkt. Ohne Verkäufe lukrativer Investments wie der CCB-Aktien wird diese Summe nicht aufzutreiben sein.
Amerikas Nummer eins ist aber nicht das einzige Finanzhaus aus dem Westen, das sich nach wenigen Jahren wieder von großen Anteilen an chinesischen Banken trennt. Die Liste der Aktienverkäufe seit Jahresbeginn erzählt von einem schleichenden Exodus.
Wo westliche Finanzkonzerne noch große Aktienpakete chinesischer Institute halten, ist oft auch Zwang im Spiel. Die BoA hält neben ihrem Restanteil der CCB auch 5 Prozent der ICBC. Diese Aktien darf sie noch nicht auf den Markt werfen. Die New Yorker Investmentbank Goldman Sachs
hat sich im März mit der ICBC geeinigt, die im April abgelaufene Haltefrist für ihre ICBC-Anteile um ein Jahr zu verlängern. Allgemein will die chinesische Bankenaufsicht die gesetzliche Haltefrist auf fünf Jahre verlängern.
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