Donnerstag, 9. Februar 2012, 02:02 Uhr

manager magazin



26.03.2009
 

Staatsverschuldung

"Jetzt brechen alle Dämme"

Von Nils-Viktor Sorge

Abwrackprämie, Kinderbonus, Rettungsschirme: Die Regierung pumpt neue Milliarden in Wirtschaft und Gesellschaft. Gleichzeitig erodieren die Steuereinnahmen. Auf bis zu 160 Milliarden Euro taxiert der Kieler Ökonom Alfred Boss das Staatsdefizit für 2009. Nun droht Inflation, warnt er im Interview mit manager-magazin.de.

mm.de: Herr Boss, die Bundesregierung hat gerade die Abwrackprämie für Autos verlängert und macht dafür neue Milliardensummen locker. Nur ein teures Wahlkampfgeschenk?

  Alfred Boss , Ökonom am Kieler Institut für Weltwirtschaft, gilt als einer der führenden Experten für öffentliche Haushalte
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Alfred Boss, Ökonom am Kieler Institut für Weltwirtschaft, gilt als einer der führenden Experten für öffentliche Haushalte

Boss: Jetzt brechen scheinbar alle Dämme. Dass die Prämie nun noch länger gezahlt wird, ist eine kleine Katastrophe. Sie verzerrt den Wettbewerb und ist nichts weiter als eine typische Subvention. Unter dem Strich ist sie für die Bürger deshalb sogar ein Nachteil.

mm.de: Immerhin verhilft die Prämie der Autoindustrie und den Beschäftigten zu ein wenig Optimismus.

Boss: Vor allem im Ausland. Die Rumänen werden sich jetzt riesig freuen und fahren wahrscheinlich Sonderschichten, um ihre Autos für den Export zu produzieren. Außerdem lohnt sich der Kauf nur bei Kleinwagen richtig. Deutsche Premiumhersteller wie Daimler Chart zeigen und BMW Chart zeigen profitieren kaum.

mm.de: Trotzdem - der Konsum kommt durch diese staatliche Anschubfinanzierung in Schwung.

Boss: Falsch. Viele Einzelhändler beklagen die Abwrackprämie nicht ohne Grund. Sie argumentieren zu Recht: Wenn sich die Leute ein Auto kaufen, kaufen sie sich möglicherweise keine Möbel. Das Geld wird willkürlich in die Autoindustrie gelenkt, andere Branchen sind die Leidtragenden.

Im Zusammenhang mit der Abwrackprämie werden manchmal unglaubliche Rechnungen präsentiert. Möglicherweise kaufen die Leute zwar kurzfristig mehr Autos. Doch die Autos, die jetzt gekauft werden, wären irgendwann ohnehin gekauft worden. Das heißt umgekehrt: Wenn die Prämie irgendwann nach der Wahl wegfällt, ist das Problem der Autoindustrie umso größer. Die Regierung sieht nur die kurzfristigen Effekte. Unter dem Strich mag die Prämie minimal etwas für Produktion und Beschäftigung bringen, aber die dafür nötigen Milliardenkredite müssen ja auch verzinst werden.

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