Von Arvid Kaiser
Hamburg - Es ist ein Ritual, das an absurdes Theater erinnert. "Warten auf Bernanke" titeln Presseagenturen, Nachrichtensender und Wirtschaftsseiten (auch manager-magazin.de) regelmäßig, wenn sich der Offenmarktausschuss der US-Notenbank Federal Reserve unter seinem Vorsitzenden Ben Bernanke trifft. Anders als Godot pflegt Bernanke allmonatlich zu erscheinen. Und dann gibt es auch immer einen Zinsentscheid. Enttäuschung oder Erleichterung lässt sich danach an den Kursen der Aktien und Anleihen ebenso wie an den Mienen auf dem Börsenparkett ablesen.
Absurd ist das Schauspiel seit dem 16. Dezember 2008, als die Fed ihren Leitzins auf null senkte. "Mit dieser Aktion hat die Fed ihr konventionelles Pulver aufgebraucht", heißt es in einem Kommentar von Goldman Sachs
Bernanke hat klar gemacht, dass er die Nullzinspolitik über lange Zeit durchhalten will, so lange bis der Aufschwung da ist. In dieser Situation müsste eine Sitzung, die als "Zinsentscheid" im Kalender steht, eigentlich ein Nicht-Ereignis darstellen. Null bleibt null, was soll da schon passieren?
Trotzdem löste
das Treffen vom Mittwochabend wieder die alten Reflexe aus: Aktienkurse, Goldpreis
und Euro-Wechselkurs
schießen in die Höhe, Anleihenrenditen brechen ein. Analysten feiern einen "historischen" Schritt, gar vom "Rambo-Bernanke" ist die Rede. Grund ist die "unkonventionelle Lockerung", die Bernanke nun betreibt. Die Fed wirft beträchtliche Summen auf den Markt:
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