21.02.2009
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Conti/Schaeffler

"Halbierung der Belegschaft möglich"

Von Lutz Reiche

2. Teil: Befürchtung: Conti muss Schafflers Schulden berappen

"Wenn Schaeffler durch Staatshilfe mit 90 Prozent der Conti-Aktien bis über den Auslauf der Investorenvereinbarung im Jahr 2014 kommen würde, könnte Schaeffler dann gestundete Staatshilfen über einen Beherrschungsvertrag durch Continental bezahlen lassen", schreibt Wörle. Dabei würde Continental zwangsläufig schrumpfen. Denn für Forschung, Entwicklung und Investitionen benötigte Finanzmittel würden dem Unternehmen entzogen. Die derzeit herausragende Marktposition ließe sich nicht mehr halten. "Eine Halbierung der Belegschaft im Verlauf von zehn Jahren wäre dann durchaus möglich", fürchtet Wörle.

Bittstellerin im Pelzmantel: Derweil bemüht sich Firmenpatriarchin Maria Elisabeth Schaeffler in der Öffentlichkeit um ein anderes Outfit. Bei der Firmen-Demo am eigenen Werkstor etwa tut es auch die herkömmliche Winterjacke. Bilder wie dieses jedoch lösen Unverständnis aus.
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Getty Images

Bittstellerin im Pelzmantel: Derweil bemüht sich Firmenpatriarchin Maria Elisabeth Schaeffler in der Öffentlichkeit um ein anderes Outfit. Bei der Firmen-Demo am eigenen Werkstor etwa tut es auch die herkömmliche Winterjacke. Bilder wie dieses jedoch lösen Unverständnis aus.

Anstatt einer direkten Staatshilfe plädiert das Continental-Aufsichtsratsmitglied dafür, die Entschuldung Schaefflers über die Banken voranzutreiben. Die größten Kreditgeber der Gruppe seien staatliche beziehungsweise teilverstaatlichte Banken. Der Staat nehme damit bereits heute eine gewichtige Kontrollfunktion ein und sollte diese nutzen, um Beschäftigung langfristig zu sichern, argumentiert Wörle.

Sollte sich erweisen, dass die Notlage bei Schaeffler nicht ohne staatliche Hilfe zu lösen ist, könne über die Gläubigerbanken staatliche Hilfe eingebracht werden. Damit würden auch keine Präzedenzfälle staatlicher Unterstützung der Privatwirtschaft entstehen. Wie umstritten staatliche Hilfe für angeschlagene Konzerne ist, zeigt derzeit auch die öffentliche Diskussion im Fall Opel.

Ob Schaeffler überhaupt und in welcher Höhe mit staatlicher Unterstützung rechnen kann, ist zurzeit ebenso ungewiss wie bei der General-Motors-Tochter. Ein Rettungskonzept, das Voraussetzung für den Erhalt von Staatshilfen ist, will Schaeffler in den kommenden zwei Wochen vorlegen.

Finanzbedarf von bis zu sechs Milliarden Euro

Das Bundesland Bayern soll bereit sein, dem Familienunternehmen mit einer Milliardenbürgschaft auf die Beine zu helfen. Der bayerische SPD-Landtagsfraktionschef Franz Maget bezifferte den Kapitalbedarf der Schaeffler-Gruppe auf fünf bis sechs Milliarden Euro und machte zugleich deutlich, dass seine Partei Landesbürgschaften nicht im Wege stehen werde. "Es kommt jetzt darauf an, zwei bis drei Jahre zu überbrücken." Alles andere würde zur Insolvenz und zur "unkontrollierten Zerschlagung" des Konzerns führen, warnte Maget. Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer lehnte dagegen staatliche Beteiligungen an krisengeschüttelten Unternehmen grundsätzlich ab.

"Man kann nicht im Nerzmantel nach Staatshilfen rufen"

Die Bundesregierung selbst hat in der Vergangenheit Bürgschaften grundsätzlich nicht ausgeschlossen, ist parteipolitisch aber in dieser Frage ebenso zerstritten. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) erteilte Bitten Schaefflers nach Staatshilfen eine kalte Abfuhr: "Man kann nicht im Nerzmantel nach Staatshilfe rufen. Wir sind nicht dafür da, für Fehlentscheidungen von Milliardärinnen und Milliardären gerade zu stehen. Es kann jedenfalls nicht sein, dass jemand, der sich verspekuliert hat, auch noch einen Reibach auf Steuerzahlerkosten macht", sagte Scholz dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Doch die Zeit drängt. Gläubigerbanken drohten bereits damit, ihre Kredite an Schaeffler in Eigenkapital umzuwandeln, heißt es in Presseberichten. "Den Banken wird im Moment nichts anderes übrigbleiben, als die Kontrolle im Unternehmen zu übernehmen", sagte der Münchener Professer für Finanzmanagement Christoph Kaserer in dieser Woche dem "Handelsblatt". Ob in diesem Fall dann die rund 80.000 Beschäftigten von Conti und Schaeffler in Deutschland glimpflicher davonkommen werden, darf allerdings bezweifelt werden.

mit Material von Nachrichtenagenturen

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