Dienstag, 09. Februar 2010, 19:48 Uhr
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27.02.2009

Deflation

Wenn nur noch Gelddrucken hilft

Von Arvid Kaiser

Binnen weniger Monate ist die Angst vor überbordender Inflation erloschen. Stattdessen fürchten Ökonomen nun eine Deflation. Wie real ist die Gefahr einer Abwärtsspirale aus fallenden Preisen und schrumpfender Produktion? Und wie können Staat und Unternehmen darauf reagieren? manager-magazin.de gibt Antworten.

Hamburg - Notenbanker sind auf Ruhe bedacht. Sie umgeben sich mit der Aura des besonders Seriösen und Konservativen. Bloß nicht hektisch werden, schließlich ist Stabilität ihr höchstes Ziel. Doch ein Wort kann die bedächtigen Herren (und wenigen Damen) aus der Ruhe bringen: Deflation.

Fed-Chef Bernanke (l.), EZB-Chef Trichet: "Sicherstellen, dass 'Es' nicht passiert"
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Fed-Chef Bernanke (l.), EZB-Chef Trichet: "Sicherstellen, dass 'Es' nicht passiert"

© DPA
Welchen Horror Zentralbanker vor dem D-Wort haben, zeigte eine Rede des heutigen Fed-Gouverneurs Ben Bernanke im Jahr 2002. Da nannte er das Phänomen nur düster "Es", wie in Stephen Kings Gruselroman.

Es schien aus einer fremden, weit entfernten Welt zu stammen, doch Bernanke mahnte nachdrücklich, man müsse "sicherstellen, dass 'Es' hier nicht passiert".

Genau dafür ist er heute in Amerika zuständig, und das erklärt vielleicht, warum er den dortigen Leitzins rasch auf null gekappt hat: Das gilt als bestes Mittel, um eine Deflation, eine sich selbst verstärkende Dynamik aus fallenden Preisen und schrumpfender Produktion, zu verhindern. "Der beste Weg, aus dem Ärger herauszukommen, ist, gar nicht erst hineinzugeraten", weiß Deflationsexperte Bernanke.

"Die Entschuldung vereitelt sich selbst"

Vor 75 Jahren, mit der frischen Erfahrung aus der Weltwirtschaftskrise, beschrieb der US-Ökonom Irving Fisher, wie die Abwärtsspirale funktioniert. Sie entsteht, so Fisher, wenn Gläubiger oder Schuldner bemerken, dass in der Wirtschaft insgesamt zu viele Schulden angehäuft wurden. Unternehmen und Privatpersonen können in einer solchen Situation praktisch nichts richtig machen.

Jeder Einzelne versucht, sich zu entschulden, was auch vernünftig erscheint. Doch wenn das alle machen, wird die Misere nur schlimmer. Der beschleunigte Schuldenabbau führt zu Notverkäufen, schrumpfenden Spareinlagen, Preisverfall, Insolvenzen, Produktionsstopps, Arbeitslosigkeit, Pessimismus, dem Horten von Barvermögen, einer Aufwertung des Geldes und so zu einem Anstieg der realen Zinslast.

"Die Entschuldung vereitelt sich selbst", schlussfolgerte Fisher. "Während sie die Zahl der geschuldeten Dollars verringert, kann sie dabei nicht so schnell sein, wie sie den Wert jedes geschuldeten Dollars steigert." So entstehe das Paradox, dass der massenhafte Versuch, den Schulden zu entkommen, die Gesellschaft nur tiefer in die Schuldenfalle treibt. "Wenn das Boot der Wirtschaft kippt, schwingt es nicht wieder zurück ins Gleichgewicht, sondern es kentert."

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