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29.12.2008
 

Grünen-Studie

Energiekonzerne verdreifachen Gewinne

Die vier großen Energiekonzerne Deutschlands haben ihre Gewinne in den vergangenen fünf Jahren laut einer Studie verdreifacht. Die Untersuchung wurde von der Grünen-Fraktion in Auftrag gegeben - weshalb Eon sie als "klar erkennbare Auftragsarbeit" zurückweist.

Berlin - Die vier großen Stromkonzerne in Deutschland haben ihre Gewinne durch eine Erhöhung der Kundenpreise in fünf Jahren einer Studie zufolge mehr als verdreifacht. Zwischen 2002 und 2007 verdienten die Unternehmen insgesamt 80 Milliarden Euro, wie die Grünen-Bundestagsfraktion am Montag unter Berufung auf eine für sie verfasste Studie mitteilte. Die Energiekonzerne wiesen den Vorwurf der Preistreiberei zurück.

Gutes Jahr 2008: Die großen Vier konnten ihre Gewinne laut Studie in den ersten neun Monaten im Schnitt um 11 Prozent steigern
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DPA

Gutes Jahr 2008: Die großen Vier konnten ihre Gewinne laut Studie in den ersten neun Monaten im Schnitt um 11 Prozent steigern

Ohne Steuern und Abgaben sei Strom in Deutschland zwischen den Jahren 2000 und 2008 um 51 Prozent teurer geworden, teilte die Grünen-Fraktion mit Verweis auf die Studie der Hochschule für Wirtschaft und Technik des Saarlandes mit. Allein in diesem Jahr stieg demnach der Strompreis um rund 6,5 Prozent. Und für Januar und Februar 2009 hätten insgesamt 480 deutsche Stromanbieter weitere Preiserhöhungen um durchschnittlich 8,4 Prozent angekündigt. Von dem neuen Anstieg seien insgesamt 50 Millionen Bundesbürger betroffen.

Die vier großen deutschen Stromkonzerne - RWE Chart zeigen, Eon Chart zeigen, Vattenfall Chart zeigen und EnBW Chart zeigen - konnten ihre Gewinne in diesem Jahr in den ersten neun Monaten im Schnitt um 11 Prozent steigern, heißt es in der Studie. So habe EnBW ein Gewinnplus von fast einem Fünftel verzeichnet, RWE steigerte den Ertrag um 7 Prozent, Eon um 8 Prozent. Vom schwedischen Vattenfall-Konzern hätten keine separaten Zahlen für dessen Deutschland-Tochter vorgelegen. Damit deute sich für die vier großen Stromkonzerne nach dem Rekordjahr 2007 mit einem Gesamtgewinn von knapp 20 Milliarden Euro für 2008 trotz des Wirtschaftsabschwungs ein neues Rekordgeschäft an.

Der Grünen-Energieexperte Hans-Josef Fell forderte von den Stromkonzernen, angesichts sinkender Preise für Energie-Rohstoffe auch die Preise für Stromkunden zu senken. "Es ist jetzt wichtig, die sinkenden Energiekosten an die Verbraucher weiterzugeben, um dadurch den Konsum und die Wirtschaft zu stützen." Die Grünen seien nicht grundsätzlich gegen Gewinne. Jedoch müssten die Konzerne ihre Erträge in "zukunftsträchtige Formen der Stromerzeugung" investieren, forderte Fell. Langfristig werde Energieerzeugung mit fossilen Energieträgern immer teurer werden. Dafür müsse jetzt vorgesorgt werden. "Der billige Ölpreis ist nur ein kurzes Zwischenspiel", sagte Fell.

Der Energiekonzern Eon wies die Studie als "klar erkennbare Auftragsarbeit" zurück. Sie liefere lediglich "politisch oder ideologisch gewünschte Ergebnisse, indem Fakten und Zusammenhänge ausgeblendet und ignoriert werden". Tatsächlich sei Strom in Deutschland seit der Liberalisierung des Marktes 1998 nicht teurer geworden, betrachte man nur den reinen Erzeugerpreis ohne Steuern und Abgaben. Im gleichen Zeitraum habe sich der Preis für Öl als Leitenergie jedoch nahezu verzehnfacht, bleibe der aktuelle starke Preisrückgang unberücksichtigt.

Auch müsse berücksichtigt werden, dass Eon einen erheblichen Teil seiner Gewinne in neue Investitionen stecke, sagte ein Eon-Sprecher. Bis 2010 investiere der Konzern in Europa 60 Milliarden Euro in die Stromversorgung, davon sechs Milliarden Euro in erneuerbare Energien. Dies sei "das wahrscheinlich größte Investitionsprogramm eines europäischen Unternehmens überhaupt".

Ein Sprecher der RWE-Vertriebstochter RWE Energy wies ebenfalls den Vorwurf von Preistreiberei zurück. "Unser Gewinnbeitrag zum Konzernergebnis ist in den vergangenen Jahren eher zurückgegangen. Bis zu 70 Prozent des Strompreises würden ohnehin staatlich reguliert, etwa durch Steuern und Abgaben oder durch von der Bundesnetzagentur festgelegte Durchleitungsgebühren für konkurrierende Stromanbieter. Insgesamt bleibe dem Unternehmen nur wenig Spielraum, um die Strompreise zu steigern. Auf dem Markt herrsche ein starker Wettbewerb.

manager-magazin.de mit Material mit afp

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