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30.12.2008
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Bulthaupt-Kolumne

Krisengewinner USA

Von Frank Bulthaupt

2. Teil: Ein Ironie der Wirtschaftsgeschichte

USA: Wirksame Liquiditätsversorgung der Realwirtschaft

In den USA ist die Bankenkrise nicht minder ausgeprägt, sodass die Kreditvergabestandards gleichermaßen verschärft werden und einen Rückgang der Kreditvergabe einleiten.

Liquiditätsversorgung der Realwirtschaft: US-Unternehmen finanzieren sich vielfach direkt am Kapitalmarkt
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Liquiditätsversorgung der Realwirtschaft: US-Unternehmen finanzieren sich vielfach direkt am Kapitalmarkt

Allerdings ist die US-Unternehmensfinanzierung nicht so stark von Banken abhängig wie in Deutschland oder im Euro-Raum, wie der Blick auf den Umlauf von Corporate Bonds versus Bankschuldverschreibungen zeigt (Verhältnis in USA rund 2 : 1; Euro-Raum umgekehrt 1 : 2). US-Unternehmen finanzieren sich vielfach direkt am Kapitalmarkt. In diesen Prozess greift nun die US-Notenbank ein und kauft Papiere an, um den Unternehmenssektor direkt mit Liquidität zu versorgen und dadurch Erholungsansätze bereits in ihren Anfängen zu stärken. Die defekten Mechanismen des Finanzmarkts werden durch das Eingreifen der Federal Reserve, wie bei einem Bypass, umgangen. Die Realwirtschaft muss nicht warten, bis sich der Bankensektor konsolidiert hat.

Dieser Versorgungskanal steht der EZB nicht in gleichem Umfang zur Verfügung. Ihr bleibt die Versorgung des Bankensystems mit kurzfristiger Liquidität, in der Hoffnung, dass diese nach der Konsolidierungsphase an die Realwirtschaft weitergeleitet wird.

Nationale Einzelmaßnahmen

Überdies wurden im Euro-Raum zur Stützung des Bankensektors diverse nationale Rettungsversuche gestartet, von der Schaffung einer Clearingstelle zur Belebung des Interbankenmarkts in Österreich (Interbankmarktförderungsgesetz) bis zur Implementierung des Finanzmarktstabilisierungsfonds in Deutschland.

Die Rettungsmaßnahmen wurden zwar überlebenswichtig schnell implementiert, wirken aber unkoordiniert und suboptimal. So haben beispielsweise Auflagen wie die Beschränkung der Vergütung der "Organmitglieder und Geschäftsleiter" tendenziell Ausweichreaktionen der Betroffenen zur Folge. Das Geschäftsvolumen dieser Finanzinstitute wird dann entsprechend dem vorhandenen Eigenkapital eher eingeschränkt als dass mithilfe des staatlichen Rettungsschirms die Kreditversorgung der Realwirtschaft gefördert wird. Diese eher kontraproduktiven Vergütungsstrafen für die Inanspruchnahme des staatlichen Rettungsschirms findet man in den USA nicht.

US-Konjunkturprogramme fallen auf fruchtbaren Boden

Zugleich profitiert die amerikanische Volkswirtschaft in der gegenwärtigen Krise von einer klaren und fast bedingungslosen Konjunkturpolitik. Dieser keynesianischen Politik mag man kritisch gegenüberstehen, aber sie fällt dort auf einen fruchtbaren Boden, der eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung ermöglicht. Im Euro-Raum ist im Wahljahr 2009 zunächst eine internationale Wirtschaftspolitik zu koordinieren, deren Gesamtwirkungen infolge der Situation im Bankensektor kaum abschätzbar sind.

Es wird wohl als Ironie in die Wirtschaftsgeschichte eingehen, dass jene Volkswirtschaft, die mit der Subprime-Krise als Verursacher der weltwirtschaftlichen Finanzkrise gilt, aus ihr als Gewinner hervorgehen wird. Die Devisenmärkte, die gegenwärtig noch vom Zinsvorteil des Euro-Raums geleitet sind, werden diese Entwicklung im Verlauf des Jahres 2009 mit den ersten günstigen US-Konjunkturdaten bewerten.

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