Von Martina Fietz und Alexander Görlach
Frage: Wenn Sie jetzt sagen, das Soziale sei teilweise zu wenig zum Zuge gekommen, wären Sie beispielsweise für einen Mindestlohn?
Zollitsch: Wenn ich einen gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn habe, dann besteht die Gefahr, dass viele Arbeitsplätze verloren gehen. Die Kernfrage ist doch, dass der, der voll beschäftigt ist, auch von seinem Lohn leben kann. Auch ein Kombilohn, bei dem der Staat ergänzt, was dem Arbeitenden zum Leben fehlt, wird sicher nicht gehen ohne bestimmte Mindestansätze. Denn sonst wären manche Betriebe sicherlich versucht, viel zu wenig zu bezahlen, weil der Staat einfach das Fehlende ausgleichen würde.
Zollitsch: Ja, wir werden uns zu Wort melden. Die Länder müssen aufeinander abgestimmt handeln, die Regierungen müssen Verantwortung übernehmen, über die G7- und G8-Staaten hinaus. Wir werden darauf hinweisen, dass die Haltung, die zur Finanzmarktkrise geführt hat, die Gier, überdacht werden muss, und wir werden die Sozialpflichtigkeit in Erinnerung rufen. Der Ruf nach dem Staat darf nicht dazu führen, dass wir jetzt manche Fehler eines kommunistischen Wirtschaftssystems wiederholen. Stattdessen müssen wir schauen, wie wir die Menschen ermutigen, die Freiheit verantwortlich zu gebrauchen und nach dem Mitmenschen zu schauen.
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