Mittwoch, 8. Februar 2012, 15:52 Uhr

manager magazin



31.10.2008
 

Absatzflaute

Daimler plant weiteren Stellenabbau

Der Autobauer Daimler will mit einem Stellenabbau auf die Absatzkrise der Branche reagieren. Der Konzern wolle sich in allen Mercedes-Benz-Werken von Verwaltungskräften und produktionsnahen Mitarbeitern trennen, heißt es in einem Brief an die Mitarbeiter.

Sindelfingen - Die Personalabteilung des größten Produktionswerks Sindelfingen bietet diesem Mitarbeiterkreis an, freiwillig über Frühpensionierung, Altersteilzeit oder Ausscheidensvereinbarungen das Unternehmen zu verlassen. Dies geht laut reuters aus einem Schreiben an die Mitarbeiter hervor. In dem Mitarbeiter-Schreiben heißt es, diese Möglichkeiten stünden allen Standorten von Mercedes-Benz-Pkw offen.

"Kleinere Anpassungen": Mercedes-Produktion in Sindelfingen
DPA

"Kleinere Anpassungen": Mercedes-Produktion in Sindelfingen

Einer mit der Situation vertrauten Person zufolge haben auch Beschäftigte im Stammwerk Untertürkheim entsprechende Briefe erhalten. Daimler wollte sich zu dem Brief nicht im Detail äußern. Eine Sprecherin sagte in Stuttgart, der Konzern plane zwar kein neues Personalabbauprogramm. "Grundsätzlich kann es im Rahmen der Umsetzung von Effizienzsteigerungen zu kleineren Anpassungen kommen", sagte sie. Mercedes-Benz hatte zuletzt im Jahr 2005 Stellen abgebaut und sich von 8500 Mitarbeitern über teure Abfindungsvereinbarungen getrennt.

Den Mercedes-Beschäftigten in Sindelfingen wird angeboten, bis Ende Februar Vereinbarungen über den freiwilligen Ausstieg abzuschließen. Frühzeitige Vereinbarungen sollen finanziell noch einmal versüßt werden. Mitte November sollen dazu Informationsgespräche stattfinden.

Zwangspause zum Jahreswechsel

Vorrangig spricht Daimler dem Schreiben zufolge Mitarbeiter in der Verwaltung, Beschäftigte mit eingeschränkten Tätigkeiten und produktionsnahe Kräfte etwa in der Logistik an. In Sindelfingen werden vor allem die E-, C- und S-Klasse gebaut, Untertürkheim liefert weltweit Motoren, Achsen und Getriebe in die Montagewerke.

An der Börse legte der Aktienkurs von Daimler Chart zeigen am Nachmittag um vier Prozent auf 27,02 Euro zu.

Daimler kämpft wie fast alle Autobauer derzeit mit einer ausgeprägten Absatzflaute und lässt bereits seit Wochen tageweise die Produktion in seinen Pkw-Werken ruhen. Über den Jahreswechsel werden rund 150.000 Beschäftigte in den Werken Stuttgart-Untertürkheim, Sindelfingen, Rastatt, Hamburg, Berlin und Bremen in eine Zwangspause geschickt, die zum Teil vier Wochen dauert. Damit will Mercedes-Benz die hohen Fahrzeugbestände reduzieren und eine weitere Produktion auf Halde vermeiden.

Von Jahresbeginn bis Ende September baute die Pkw-Gruppe Mercedes-Benz mit 1,06 Millionen Autos zwölf Prozent mehr Fahrzeuge als vor Jahresfrist, verkaufte weltweit jedoch nur 988.000 Stück. Wenn sich der Pkw-Absatz im kommenden Frühjahr nicht belebe, müsse Daimler die Wochenarbeitszeit verkürzen und notfalls Kurzarbeit anmelden, hatte Personalchef Günther Fleig zu Wochenbeginn gesagt. Betriebsbedingte Kündigungen sind bei Daimler bis Ende Jahr 2011 ausgeschlossen.

Von Hendrik Sackmann und Franz-Norbert Piontek, reuters

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