Kommt die neue Outsourcing-Welle?
Doch schon eine deutlich abgeschwächte Konjunktur könnte manchen Staatshaushalt vor ernste Probleme stellen, und die niedrigen Unternehmenssteuersätze gefährden. So wachsen die Sorgen an den verlängerten Werkbänken des Westens. Allein in Tschechien sind nach Angaben der Deutsch-Tschechischen Handelskammer (DTIHK) 30 Prozent der hergestellten Güter für den Export in die Bundesrepublik vorgesehen.
"Eine Rezession in Deutschland hätte hier schwere Folgen", sagt Sebastian Holtgrewe von der DTIHK in Prag. "Die sinkende Nachfrage aus der Eurozone wird die tschechische Wirtschaftsleistung stärker treffen als wir bisher erwartet haben", prognostiziert UniCredit-Volkswirtin Debora Revoltella.
Vor allem die in Osteuropa stark vertretene Automobilindustrie gerät bereits in den weltweiten Abwärtstrend. Skoda will in diesem Jahr 13.000 Autos weniger als vorgesehen ausliefern. Ende Oktober soll die Produktion fünf Tage stillstehen. Der schwächelnde Markt macht auch den Zulieferern in Tschechien zu schaffen, die zum großen Teil aus Deutschland stammen. Dabei hatten sie schon in den vergangenen Jahren trotz niedriger Löhne im Nachbarland unter niedrigen Margen geächzt.
Das alles schwächt auch die Nachfrage im Osten. Konsum und Investitionen werden darunter leiden, dass Kredite schwieriger zu bekommen sind. Zuletzt hatte sich die Region von der billigen Werkbank zu einem immer wichtigeren Absatzmarkt für westeuropäische Unternehmen entwickelt. Handelskonzerne wie Ikea und Tengelmann eröffneten Filiale um Filiale, in den Absatzstatistiken von Autoherstellern und Maschinenbauern brachten die Länder zuletzt Wachstumsraten, wie sie sich im Westen schon länger nicht mehr erzielen ließen.
In dem nun befürchteten Abwärtsszenario liegt für manchen Experten jedoch auch eine Chance. "Eine geringere Nachfrage gibt den Unternehmen die Gelegenheit, die Kosten zu kürzen und ihre Effizienz zu erhöhen", sagt Berglöf. Der Volkswirt hält zudem eine neue Oursourcing-Welle aus Westeuropa für möglich. Schließlich müssten die Konzerne in der Krise ebenfalls sparen - und das würden sie wohl auch in Form von weiteren Produktionsverlagerungen in ihre östlichen Nachbarländer tun.
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