Hamburg - Die Beruhigungspille wirkte nicht mal sieben Tage. Sein Land verkrafte die derzeitige Krise an den Finanzmärkten besser als andere Nationen, sagte der ungarische Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany Mitte vergangener Woche. Die Regierung habe das Haushaltsdefizit verringert und deshalb - falls nötig - Spielraum für Stützungsmaßnahmen.
Inzwischen hat dieses Bild vom stabilen Reformstaat tiefe Risse. Binnen weniger Tage ist Ungarn in eine heftige Krise gerutscht, weil die Finanzmärkte kaum noch Devisenkredite für die Wirtschaft bereitstellen. Auch andere Länder Mittel- und Osteuropas geraten mit einem Mal in den Strudel der Turbulenzen an den Finanzmärkten, obwohl sie noch vor wenigen Wochen als relativ immun galten. Die Börsen in den Ländern haben zum Teil rasante Talfahrten hinter sich, die zuletzt rosigen Aussichten für das Wirtschaftswachstum verdunkeln sich.
"Die Krise trifft die Region mit Verspätung", sagt der Chefvolkswirt der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung ("Osteuropabank"), Erik Berglöf, gegenüber manager-magazin.de. Manche Länder bekämen jetzt zu spüren, dass sie lange auf Pump gelebt und ihr Wachstum mit Geld aus dem Ausland finanziert haben.
Denn das ist jetzt immer schwerer zu bekommen. Weltweit sind die Geldströme ins Stocken geraten. Und manch aufstrebender Reformstaat gilt auf einmal als besonders riskant, weil er sich von Devisen abhängig gemacht hat.
"Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben Investoren alarmiert", sagt Berglöf mit Blick auf den Beinahe-Staatsbankrott Islands. "Nun leiden die Länder in Osteuropa unter einer Vertrauenskrise sowie einer Liquiditätskrise." Zudem gilt das osteuropäische Bankensystem als fragil, weil es vor allem aus Töchtern internationaler Gesellschaften besteht, die zum Teil auf anderen Märkten in den Krisenstrudel geraten sind.
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