Hamburg - Parallel zu den Aktienmärkten toben die Emotionen. Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank
, demonstriert Edelmut und verzichtet auf seinen Bonus. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) kritisiert das Verhalten einiger Finanzmarktakteure und vergleicht sie mit "konkurrierenden sizilianischen Clans". Und der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hält eine Beschränkung von Managergehältern für gefährlich - denn die um ihr Geld fürchtenden Banker würden in diesem Fall die Hilfe des Staates ablehnen.
Ackermann hatte seinen Verzicht in der "Bild-Zeitung" avisiert. Es sei ein wichtiges Zeichen, wenn der Vorstand einer großen Bank beschließe, seinen Bonus nicht in die eigene Tasche zu stecken. Diesem Zeichen müssten andere folgen. Die übrigen drei Vorstandsmitglieder des Daxkonzerns folgten und schlossen sich Ackermanns Schritt an, wie ein Sprecher der Bank am Freitag in Frankfurt bestätigte. Auch die 20 Mitglieder des Aufsichtsrates verzichten demnach auf ihre variable Vergütung.
AIG fordert Abfindungen zurück
Der von der US-Regierung vor der Pleite gerettete Versicherungsriese AIG
hingegen wartet nicht auf solch selbstlose Schritte seiner ehemaligen Führungsriege. Das Unternehmen fordert schon vorher die millionenschweren Abfindungen von seinen entlassenen Top-Managern zurück.
Dabei geht es um den "goldenen Handschlag" für Ex-CEO Martin Sullivan von 15 Millionen Dollar, dessen Barzulage von fünf Millionen sowie um den Bonus von 34 Millionen Dollar für Joseph Cassano, dessen Sparte den Großteil der AIG-Verluste verursachte hatte. Zudem gelobte der Konzern am Donnerstag Besserung und will Mitarbeitern keine Luxusurlaube mehr finanzieren.
AIG sicherte dem New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo zu, geschäftlich nicht gerechtfertigte Reisen und Veranstaltungen zu streichen. Auch die eigentlich geplante Abfindung für den scheidenden Finanzchef Steven Bensinger von rund zehn Millionen Dollar stehe unter Vorbehalt der Ermittlungen des Generalstaatsanwalts, teilten AIG und Cuomo gemeinsam mit. Cuomo traf sich am Donnerstag mit dem neuen AIG-Chef Edward Liddy, nachdem der Ermittler rechtliche Schritte gegen den Konzern wegen "extravaganter" Zahlungen angedroht hatte.
© manager magazin Online 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH