mm.de: Bisher hieß es immer, so würde der Finanzstandort Deutschland geschwächt.
Fürstenwerth: Ein sicherer rechtlicher Rahmen schützt ja nicht nur die Kundschaft, sondern auch die Anbieter. In der Medizin ist man doch dankbar für die staatlichen Arzneimittelprüfungen. Sie stellen rechtliche Sicherheit her. In den USA ist der Markt generell viel stärker liberalisiert, dafür gibt es aber die nach oben offene Produkthaftung. Glauben Sie mir: Viele amerikanische Unternehmen würden gerne mit den Europäern tauschen.
mm.de: Was ist mit dem Argument, dass simple Verbote der Komplexität der Märkte nicht gerecht werden?
Fürstenwerth: Viele nationale Regeln und Verbote sind einfach und zugleich wirkungsvoll. Deutsche Banken - darunter auch staatliche Institute, die Landesbanken - haben ihre übelsten Risiken in Zweckgesellschaften in Steueroasen wie Irland versteckt, damit sie in der Bilanz nicht auftauchen. So etwas lässt sich ganz leicht verbieten. Spanien hat das vorgemacht - mit Erfolg. Bisher hat es noch keine spanische Bankenpleite gegeben. Und auch Frankreich könnte glimpflich durch die Krise kommen. Dort gibt es ein ähnliches Verbot.
Allerdings gehört zu dieser Einsicht auch notwendige Selbstkritik der Politik. Diese so genannten Off-balance-Geschäfte wurden im Fall der Landesbanken mit Zustimmung unserer Politiker betrieben.
mm.de: Ein franko-iberisches Modell für uns?
Fürstenwerth: Warum nicht? In beiden Ländern liegt der vorgeschriebene Eigenkapitalanteil der Banken höher als in Deutschland. Auch das ist eine ganz einfache Regelung. Frankreich und Spanien profitieren derzeit von diesen Vorgaben. Man muss dazu das Rad nicht neu erfinden. Das Kasino Finanzwirtschaft muss geschlossen werden, damit das Geld wieder in die Realwirtschaft investiert wird.
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