Donnerstag, 9. Februar 2012, 17:13 Uhr

manager magazin



29.09.2008
 

US-Rettungsplan gescheitert

"Dann hilf uns Gott"

Drama im US-Kongress: Das 700-Milliarden-Dollar-Paket zur Rettung der Finanzmärkte ist im Repräsentantenhaus gescheitert. In New York stürzen die Indizes ab. An Brasiliens Börse herrscht nackte Panik. Gerüchteweise arbeitet das Weiße Haus bereits an einem neuen Rettungsplan.

Washington - Die Finanzmarktkrise in den USA hat einen neuen, dramatischen Höhepunkt erreicht. Das mühsam zusammengestellte 700-Milliarden-Dollar-Paket zur Rettung der Finanzmärkte ist bei der Abstimmung im Repräsentantenhaus überraschend gescheitert. Trotz aller Appelle von US-Präsident George W. Bush und Spitzenpolitikern beider Parteien gab es am Montag keine Mehrheit für das bei den Wählern höchst unpopuläre Programm, mit dem das Chaos an den Finanzmärkten eingedämmt werden sollte. Experten erwarten nun weitere heftige Turbulenzen an den Finanzmärkten.

Kurssturz in New York - Panik an Brasiliens Börse

Abstimmung im US-Parlament: Redner kämpften am Montag um jede Stimme für das Rettungspaket.
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AP

Abstimmung im US-Parlament: Redner kämpften am Montag um jede Stimme für das Rettungspaket.

An der Wall Street ging die nackte Angst um. Erste Nachrichten von dem Scheitern des Rettungsprojekts ließen den Dow Jones Chart zeigen zeitweise um mehr als 700 Punkte einbrechen.

An der Börse im brasilianischen São Paulo herrschte Panik. Nachdem der Leitindex Bovespa um mehr als 10 Prozent abgesackt war, wurde der Handel kurz vor 15 Uhr Ortszeit (20 Uhr MEZ) ausgesetzt.

Der so genannte Circuit Breaker wird in der südamerikanischen Wirtschaftsmetropole bei einer Veränderung von mehr als 10 Prozent automatisch benutzt, um die Marktteilnehmer zu beruhigen. Wenig später wurde der Handel wieder aufgenommen und der Bovespa ging erneut um knapp 12 Prozent auf 44.800 Punkte in die Knie.

Offenbar neuer Rettungsplan in Arbeit

Wie der TV-Sender CNN berichtete, arbeitet das Weiße Haus bereits an einem neuen Rettungsplan. Ziel des Programms war es, den praktisch eingefrorenen Kreditfluss wieder in Gang zu setzen und weitere Turbulenzen auf den Finanzmärkten zu verhindern.

Bush reagierte "sehr enttäuscht", wie ein Sprecher sagte. "Das Land steht fraglos einer sehr ernsten Krise gegenüber, der man begegnen muss." Bush werde mit seinen Beratern über die nächsten Schritte sprechen. Die beiden Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain hatten den Plan zuvor zurückhaltend unterstützt. Das Repräsentantenhaus votierte mit 228 zu 205 Stimmen gegen den Plan.

"Wir haben alle Angst, unseren Job zu verlieren"

In einer leidenschaftlichen Rede erklärte der republikanische Abgeordnete Paul Ryan vor der Abstimmung: Die meisten Kollegen seien zwar der Ansicht, das Paket müsse verabschiedet werden - "aber bitte ohne Mich". Und er fügte hinzu: "Wenn es uns nicht gelingt, das Richtige zu tun, dann hilf uns Gott."

Mehr als zwei Drittel von Bushs Republikanern und 40 Prozent der Demokraten stimmten gegen den Plan. Der konservative Flügel der Republikaner lehnt derart weitgehende staatliche Eingriffe in die Wirtschaft ab.

Der Leiter des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, bezeichnete die Entscheidung des US-Repräsentantenhauses am Montagabend in einer ARD-Sendung als "ausgesprochen bedenklich". Zwar könne er Bedenken gegen das Antikrisenpaket verstehen. Aber jetzt gehe es nicht mehr um die Frage, wie es zu der Krise gekommen sei, jetzt müsse es nach vorne gehen.

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