Von Andreas Nölting
"Markt, der von Angst und Gerüchten geprägt ist"
Die Zahlen sind egal? Offenbar! Inzwischen reichen schon unbelegte Gerüchte, um die Finanzmärkte weltweit in Panik geraten zu lassen. Das funktioniert so: Hedgefonds streuen bei Journalisten erfundene (aber irgendwie plausibel klingende) Geschichten über drohende Schieflagen, Milliardenabschreibungen und Liquiditätsprobleme.
"CNBC hebt das dann sofort ungeprüft ins Programm und vermeldet die vermeintliche Sensation", schimpft ein US-Investmentbanker gegenüber manager-magazin.de. Die Hedgefonds wiederum haben die betreffende Aktie vorher "leer" verkauft - sie besitzen das Papier also nicht einmal, warten auf die fallenden Kurse und kaufen dann wesentlich billiger die betreffende Aktie oder Option auf. So wird miese Propaganda zum lukrativen Geschäft.
"Wir stecken mitten in einem Markt, der von Angst und Gerüchten geprägt ist", schimpft daher Morgan-Stanley-Boss John Mack in einem am Donnerstag bekannt gewordenen internen Schreiben. "Investoren, die mit ungedeckten Leerverkäufen auf Kursverluste setzen, treiben derzeit unsere Aktien herunter."
US-Börsenaufsicht handelt in höchster Not
"Stoppt den Wahnsinn", heißt es auch in einer gerade veröffentlichten Studie von Glenn Schorr, Analyst der Schweizer Großbank UBS. Er greift den beiden Konkurrenten Morgan und Goldman unter die Arme, spricht von einer starken Liquidität- sowie Kapitalposition und hält den Kurseinbruch der Aktien beider Häuser für irrational. Die Welt solle sich darüber Sorgen machen, dass gute Häuser heruntergeredet würden, so weniger Banken auf der Bildfläche blieben, in der Folge die Kapitalkosten stiegen und damit der Wirtschaft den Lebenssaft nähmen.
Die US-Börsenaufsicht geht nun in höchster Not gegen die Shortseller vor. "Wir müssen klarmachen, dass wir überhaupt kein Verständnis für Marktmissbrauch haben", sagt SEC-Chairman Christopher Cox. Seit heute müssen Verkäufer und Broker die verkauften Aktien tatsächlich vorlegen. Ansonsten drohen deftige Strafen.
Die betroffenen Investmentbanken allerdings zweifeln die Wirksamkeit dieser Maßnahme an. "Das wird nichts bringen", meint ein Banker verzweifelt gegenüber manager-magazin.de, "die Hedgefonds finden immer wieder neue Wege, die strengeren Auflagen zu umgehen."
Womöglich ist das Phänomen "bad mouthing" längst in Deutschland angekommen. Heute Morgen etwa meldeten die Agenturen, dass auf dem Börsenparkett das Gerücht verbreitet werde, die Fusion von Commerzbank
und Dresdner Bank stehe vor dem Aus. Beide Häuser dementierten vehement.
Was können wir überhaupt noch glauben?
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