10.09.2008
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Banken in Not

"Tiefe Wirtschaftskrise droht"

Von Kai Lange

4. Teil: "Nicht nur auf Modelle verlassen"

mm.de: Viele Kritiker fordern, dass Banken künftig mehr Eigenkapital vorweisen müssen, um bestimmte Geschäfte einzugehen.

Vorstadt in Los Angeles: "Es gibt unzählige Gegenparteirisiken"
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Getty Images

Vorstadt in Los Angeles: "Es gibt unzählige Gegenparteirisiken"

Hellwig: Wir brauchen in jedem Fall Regeln, die robust sind und nicht davon abhängen, ob die Risikomodelle der Banken funktionieren oder nicht. Das betrifft beispielsweise die Eigenkapitalausstattung der Banken. Derzeit haben Banken, die mit den für geeignet gehaltenen Modellen arbeiten, die Möglichkeit, das der Bankenaufsicht vorzuweisende Eigenkapital nur aufgrund ihrer Modelle zu bestimmen. Dabei darf nach den Modellrechnungen bei den von der Bank betriebenen Geschäften die Wahrscheinlichkeit, dass das Eigenkapital nicht ausreicht, einen bestimmten Höchstwert nicht übersteigen.

Dieses Verfahren hat etwa den Schweizer Großbanken die Möglichkeit gegeben, ihre Eigenkapitalausstattung von mehr als 10 Prozent der Bilanzsumme in den frühen 90er Jahren auf weniger als 3 Prozent zu senken. Die Schweizer Nationalbank hat darin schon 2006 ein Problem gesehen, doch die Banken haben beschwichtigt und auf die Professionalität ihrer Risikomodelle und ihres Risikomanagements verwiesen. Das ist schiefgegangen.

Man sollte daher darüber nachdenken, die bestehende Eigenkapitalregulierung um eine Komponente zu ergänzen, bei der man sich nicht davon abhängig macht, ob die Risikomodelle der Banken verlässlich sind oder nicht. Alternativ wäre zu überlegen, ob man eine Mitwirkungsmöglichkeit für diejenigen schafft, die durch einen Bankzusammenbruch belastet werden, beispielsweise für Vertreter einer Einlagenversicherung.

mm.de: Glauben Sie an die Einsicht der Marktteilnehmer, künftig vorsichtiger zu sein?

Hellwig: Sicher in dem Sinn, dass die Fehler, die in den letzten Jahren gemacht wurden, in Zukunft nicht wiederholt werden. Dafür wird man allerdings andere Fehler machen, spätestens dann, wenn die jetzige Krise ausgestanden ist und eine neue Generation im Finanzmarkt neue Möglichkeiten sieht.

Jedoch sind Risiken in der Wirtschaft nicht zu vermeiden, auch systemische Risiken nicht. Man sollte sich daher hüten, beispielsweise das System der Kreditverbriefung als solches zu verbieten oder drastisch einzuschränken. Sicher ist es notwendig, die Haftungsmodalitäten in diesem System besser zu regeln. Jedoch sollte man darauf achten, dass die Vorteile der weltweiten Verteilung der Risiken und der weltweiten Diversifizierung der angelegten Mittel nicht zerstört werden.

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