08.09.2008
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Fannie/Freddie

"Jetzt ist bei den Amis alles kaputt"

Von Arvid Kaiser

3. Teil: "Jetzt wird aufgeräumt"

"Jetzt wird aufgeräumt"

Doch nun hat der Marktsog auch Fannie und Freddie, die dank der staatlichen Aufsicht keinen einzigen Subprime-Kredit vergeben hatten, erwischt. Es sei "im Zweifel", ob ihre Kapitaldecke ausreicht, um diese Aufgabe weiterhin zu erfüllen, während gleichzeitig ständig neue Verluste anfallen, drückt sich der FHFA-Chefaufseher James Lockhart aus - und straft damit Freddie Macs offizielle Selbstbeschreibung Lügen.

Ein Frankfurter Devisenhändler bringt es auf den Punkt. "Jetzt ist bei den Amis alles kaputt", sei die Wahrnehmung am Markt - während an den Aktienmärkten genau die umgekehrte Stimmung vorherrsche: "Jetzt wird erst einmal richtig aufgeräumt und danach wird alles wieder besser." Deshalb legten vor allem die Kurse von Bankaktien (mit Ausnahme von Fannie Mae und Freddie Mac, die zu Handelsbeginn in New York um mehr als 80 Prozent fielen) weltweit teils zweistellig zu. Wann hat es das schon einmal gegeben: Der Staat enteignet faktisch die Aktionäre von Großbanken, und die Börse applaudiert?

Bei der letzten großen Rettungsaktion, dem Notverkauf der gescheiterten Investmentbank Bear Stearns an den Konkurrenten J. P. Morgan Chase unter Mithilfe der US-Zentralbank im März, reagierte die Börse genau umgekehrt: Zuerst fielen die Aktienkurse, weil den Anlegern klar wurde, wie schlimm es um die Banken steht. Erst danach setzte eine Bärenmarktrally ein, die zeitweise schon als Erholung gepriesen wurde, weil die Aktionäre den Tiefpunkt erreicht sahen.

Inzwischen ist der Glaube an die Selbstheilungskräfte des Markts schwer beschädigt. Da wirkt es umso beruhigender, dass die Regierung an der Doktrin "too big to fail" festhält - kleine Unternehmen können ruhig Pleite gehen, wenn sie sich übernehmen. Große dagegen, die für die Stabilität des Systems wichtig sind, werden um jeden Preis gerettet.

Es ist eben nicht alles kaputt. Der Staat kann sich praktisch unbegrenzt verschulden, ohne dass die Gläubiger an der Rückzahlung der Kredite zweifeln. Zur Not kann immer noch die Dollar-Presse angeworfen werden.

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