Von Karsten Stumm, Lindau
Er weiß, dass er heute auch ein bisschen zur anregenden Unterhaltung der Nachwuchsökonomen auf der Lindauer Bühne steht. Weil er macht, was nach ihren Modellen nicht funktionieren kann. "Es ist gut auf einem Foto neben ihm zu stehen", sagt ein junger Australier nach Yunus' Auftritt. Er promoviert gerade über die internationale Finanzkrise.
Yunus hat sich nicht an die gängige Kleiderordnung gehalten. Er trägt den Koti, eine traditionelle Tracht seiner Heimat, keinen Business-Anzug wie seine Zuhörer. Das muss er auch nicht. Er ist anders als sie. "Das Geschäftsmodell unserer Grameen Bank sieht vor, dass wir Kredite an Menschen nicht nur schlechter, sondern sogar sehr schlechter Bonität vergeben. Wir schauen, ob die Leute überhaupt nichts haben, keine Möbel, kein dichtes Dach, nur dann bekommen sie einen Kredit", sagt er dann. Yunus lächelt dabei das entspannte Lächeln eines Bankers, der gerade einen guten Deal gemacht hat.
Yunus spricht frei, er braucht kein Manuskript, denn er redet über Social Business, wie er es nennt. Das ist sein Leben, das kennt er auswendig.
"Wenn Sie so wollen, vergeben wir Sub-Sub-Subprime-Kredite, aber unsere Ausfallrate ist minimal. Gut 97 Prozent der Darlehen werden zurückgezahlt. So stehen wir besser da als die US-Hypothekenbanken, die sich mit ihrem Modell der Kreditvergabe jetzt in eine Finanzkrise hineinmanövriert haben", sagt Yunus. Der Saal bebt. Im Public-Viewing-Kino sollen Leute applaudierend aufgesprungen sein, hört man später.
Vielleicht ist der 68-Jährige, der einst selbst als Professor an der Universität von Chittagong Ökonomie lehrte, der einzige Ökonom der Gegenwart, der neben Joseph Stiglitz die Kölnarena füllen könnte. Stiglitz ist auch ein guter Redner, und so hat auch er die Tagung in Lindau geprägt.
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