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manager magazin



20.08.2008
 

Autobranche

Misstöne im Streichkonzert

Von Matthias Kaufmann

Die Automärkte in Westeuropa und Nordamerika stecken in der Krise. Nun machen Gerüchte die Runde, dass deshalb die Hersteller in der Neuentwicklung sparen und ganze Modellreihen streichen. Doch ist die Lage wirklich so dramatisch, dass die Industrie ihre Zukunft wegkürzt?

Hamburg - Er sollte ein Trumm von einem Auto werden. "Wenn Sie wüssten", hatte sich Chris Bangle noch Anfang Juli gefreut, der BMW-Designchef. "Sie können sich kaum vorstellen, wie wir mit unserem großen Geländewagen auftrumpfen werden. Der wird dramatisch!"

Kaum einen Monat später ist das Projekt X7 - das wäre wohl sein Name gewesen - gestorben. Der Vorstand von BMW verschärft derzeit seinen Sparkurs und die Wahl fiel leicht. Ein solcher Geländekoloss, noch größer als der X5, passt nicht in die Gegenwart. Selbst in den USA verkaufen sich die edlen Brocken nicht mehr. Für den amerikanischen Markt waren sie ursprünglich mal konzipiert worden. Doch das ist passé: Zu dick, zu durstig.

Überkoloss: Die amerikanische GM-Marke Hummer steht auf der Kippe. Die fahrenden Gefechtsstände sind im Unterhalt zu teuer
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REUTERS

Überkoloss: Die amerikanische GM-Marke Hummer steht auf der Kippe. Die fahrenden Gefechtsstände sind im Unterhalt zu teuer

Nicht nur BMW Chart zeigen bastelt fiebrig, um die Rendite zu sichern. Die gesamte Autobranche steckt in der Krise, vor allem auf ihren bisher größten Märkten in Europa und Nordamerika. Das allein ist nichts Neues. Bereits auf der Frankfurter Internationalen Automobilausstellung von 2003 blickte man an praktisch jedem Stand in lange Gesichter. Ihr Pfeifen im Walde: "Die Autos der Deutschen sind überaltert. Wir sind aber sicher, dass sich der Nachholbedarf beim Neukauf bald entlädt."

Doch auf die Entladung warten die Manager bis heute. Inzwischen war Aufschwung, oder das, was heute bescheiden als solcher durchgeht. Bald ist er wieder vorbei, und die Aussichten sind schlechter als vorher. Die "großen Drei" der US-Autobranche, Ford Chart zeigen, General Motors (GM) Chart zeigen und Chrysler stecken in der Dauerkrise. Und während sie seit Jahren so vor sich hinkriseln, erscheint ihr altes Wettbewerbsmodell immer absurder: Größer, schwerer, schneller. Europa brachte damit veritable Autobahngeschosse hervor, Amerika Furcht einflößende Blechgebirge.

Beides sind Spritfresser und damit eine Gefahr für das Klima, diese Botschaft kommt bei immer mehr Kunden an. Seit der jüngsten Ölpreisrally sind solche Autos außerdem unbezahlbar, zumindest das versteht jeder.

In Westeuropa blieben die Automärkte seither ganz einfach weiter schwach, bis sie diesen Sommer zu weiterem Verfall ansetzten: minus 8 Prozent europaweit allein im Juni. In den USA brach der Verkauf just in den klassischen US-Segmenten zusammen. Große Pick-ups zum Beispiel büßten im vergangenen Quartal rund ein Viertel ein. Schon 2009 könnte der Pkw-Absatz in Deutschland unter die Drei-Millionen-Marke fallen, rechnet das Auto-Forschungsinstitut B&D Forecast vor.

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