20.08.2008
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Kolumne

Der Schweinezyklus

Von Horst Wildemann

2. Teil: Ohne jede Reserve

Verteidigung ist schon in Ordnung. Nur von Tsunami kann eigentlich keine Rede sein. Es handelt sich um Entwicklungen, die sich seit Jahren abgezeichnet haben. Die waren berechenbar. Von Schweinezyklus allein kann auch nicht die Rede sein: Die gegenwärtige Knappheit der Ressourcen ist nämlich gewollt und damit hausgemacht.


Horst Wildemann: "Strategische Führung in Unternehmen. Auf dem Weg zur Spitzenleistung"; München, 2008, 98 Euro. Zu beziehen über: www.tcw.de
In den vergangenen Jahren hat es wie schon allzu oft zuvor eine Welle im Management gegeben, die von allen Branchen mitgemacht und ganz entscheidend zu den Notständen der Gegenwart beigetragen hat.

Jedes Unternehmen sollte lean sein wie ein ausgehungerter Wolf, eine Rendite erwirtschaften wie eine Kiesgrube und einen Aktienkurs von schwindelerregender Höhe anstreben. Das Lean-Management feierte seinen Siegeszug. Die Firmen wurden auf Rendite getrimmt, Produktionen wurden konzentriert oder ausgelagert, Forschung und Entwicklung auf Sparflamme gesetzt, Wissen an Institute delegiert und die Personaldecke wurde ausgekämmt. Wohin man auch sah, es gab Magerkost.

Diese, in vielen Fällen sicher auch sehr heilsame Abmagerung aber hat ihre unangenehmen Kehrseiten - man hat keine Reserven mehr. Die negativen Komponenten kommen jetzt voll zum Tragen. Das "geleante" Unternehmen ist so stark nach innen gekehrt, dass es vom Konjunkturwechsel überrascht wird. Die dann fällige schlagartige Erhöhung der Kapazitäten ist nicht möglich.

Es fehlen die Mitarbeiter, die einspringen könnten, oft sind sogar die Produktionsstätten und Grundstücke verkauft worden, weil sie überflüssig schienen. Das Unternehmen hat kein Fett mehr, aus dem heraus es schnell eine höhere Taktzahl generieren könnte. Die Kunden werden auf den Weg zur Konkurrenz gezwungen.

Der vielleicht größte Mangel aber ist, dass es an Managern fehlt, die nicht nur optimieren, sondern auch an das Wachstum denken. Das Bemühen um die magersten Strukturen ist eine Tätigkeit, die in der Denkweise und im Handeln nach ganz anderen Mustern abläuft als Expansion. Ein Schrumpfmanager ist kein Wachstumsmanager.

Es ist nun einmal ein gravierender Unterschied, ob ein Kapitän sein Schiff optimiert, um Bananen von A nach B zu bringen oder ob er in eigener Vollmacht die richtige Ladungsmenge, den nötigen Proviant und den besten Hafen auswählen soll. Ein neuer Schweinezyklus kündigt sich an. Bis alle wieder auf Expansion umgeschult sind, ist der Boom vorbei. Dann brauchen wir wieder andere Strategen für Unternehmensdiät - oder gelingt es diesmal, einen ausgewogenen Kurs zu fahren?

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