Von Arvid Kaiser
"Das Ziel ist die Mehrheit"
"Das Ziel ist ganz klar die Mehrheit", sagt Merck-Finck-Analyst Konrad Becker. "Diese 27 Prozent nützen Swiss Life strategisch wenig. Sie können damit wenig bei MLP erreichen, nur blockieren." Die finanziellen Möglichkeiten von Swiss Life seien deutlich größer als die von Herrn Lautenschläger. "Wenn sie sich das in den Kopf setzen, ziehen die das durch", sagt Becker. "Nur wann und wie, weiß man nicht."
Aus Branchenkreisen ist aber auch zu hören, die Schweizer seien von Carsten Maschmeyers Einstieg bei MLP überrascht worden. Er selbst sagt, er habe "auf eigene Rechnung" gehandelt. Und Dörig räumt ein, Swiss Life habe ihm die Aktien abgekauft, "um die Lösung im Sinne von Carsten Maschmeyer zu ermöglichen". Doch gibt Swiss Life wirklich mehr als 300 Millionen Euro aus, ohne einen Plan zu verfolgen? Nach dieser Lesart ist der Konzern ein Gefangener der Allianz mit Maschmeyer.
Das Urteil der Börse jedenfalls ist vernichtend. Eine drohende teure Abfindung der verbliebenen AWD-Aktionäre, unklare Aussichten bei MLP, schlechtes Geschäft mit beiden Beteiligungen - am Donnerstag verloren Swiss-Life-Aktien fast 10 Prozent an Wert. "Swiss Life hat gezeigt, dass sie sehr irrational werden können, wenn Mittel und Ziele verfügbar sind", schreiben die Analysten von Landsbanki Kepler. "Das tötet das Modell des unabhängigen Finanzberaters", heißt es bei der UBS. "Wir halten das Vorgehen von Swiss Life von riskant", meint J. P. Morgan. Schon beim AWD-Einstieg Ende 2007 kommentierte die Schweizer Privatbank Wegelin, die ehrwürdige Versicherung hole sich "die Drückerkolonnen" ins Haus.
Aber für Carsten Maschmeyer passt alles zusammen. "Ich bin jetzt wieder dort, wo ich hingehöre", schreibt er seinen Mitarbeitern - "bei Ihnen im Vertrieb."
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