Von Arvid Kaiser
Hamburg - Es ist die Stunde des Carsten Maschmeyer. Der Patron des Finanzvertriebs AWD
, der sich einst als "Europas erfolgreichster Jungunternehmer" feiern ließ, kann verkünden, wie er die Branche neu ordnen will. Das Podium ist eine gemeinsame Pressekonferenz mit Rolf Dörig, dem Chef des Schweizer Versicherungskonzerns, der den Deal bezahlt. "Jetzt haben wir die Chance, langfristig unter dem Dach der Swiss Life
den größten Finanzvertrieb der Welt zu bauen", erklärt Maschmeyer.
Diesen Titel hält bislang die Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG). Der Plan, "Deutschlands besten Verkäufer" (manager magazin) Reinfried Pohl und seine milliardenschwere Organisation mit dem Konzern AMB Generali
im Hintergrund vom Thron zu stoßen, geht so:
Die Familie Maschmeyer verkauft ihre verbleibenden AWD-Aktien an den Großaktionär Swiss Life. Der Schweizer Versicherungskonzern hielte dann 96,7 Prozent an dem Hannoveraner Strukturvertrieb und könnte die übrigen Aktionäre abfinden, um AWD von der Börse zu nehmen und allein zu beherrschen.
Gleichzeitig übernimmt Swiss Life ein Paket von 26,74 Prozent an MLP
- und damit beste Aussichten, auch die Nummer drei der Branche zu kontrollieren. Diese Aktien hat sich Maschmeyer in den vergangenen Monaten über verschiedene Wege gesichert. Im Gegenzug will der schnauzbärtige Selfmademan für 300 Millionen Schweizer Franken (185 Millionen Euro) größter Privataktionär von Swiss Life werden.
Damit würde der einstige Strukturvertriebler "Maschi" die Branche im Vorder- wie im Hintergrund regieren, verbündet mit der Marktmacht eines der großen europäischen Versicherungskonzerne. Und sein Streben nach Größe könnte er mit dem Titel der Nummer eins krönen.
In einem internen Schreiben an seine Mitarbeiter schwärmt Maschmeyer schon von "diesem neuen entstehenden Marktgiganten" und stapelt in Balkendiagrammen die Umsätze und Überschüsse von AWD und MLP übereinander, um sie denen der mächtigen DVAG entgegenzustellen. Eine Grafik in diesem Schreiben rühmt AWD als "Akquisitionsweltmeister", und der Einstieg bei MLP erscheint als logische Fortsetzung der Übernahme von zwölf kleineren Firmen.
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