Von Thomas Schaal
Kapstadt - Der Strom wird knapp am Kap. Die Ursachen dafür sind erfreulich, die Folgen für Wirtschaft und Bevölkerung sind es nicht. Ein sattes Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren hat durchschnittlich zu 4 Prozent Zuwachs in der Energienachfrage geführt. Der staatseigene Energieversorger Eskom und das Ministerium für Staatsbetriebe unter Minister Alec Erwin müssen nun dringend die Kapazitäten ausbauen und die vorhandenen Strukturen in Schuss halten, um die Wirtschaft auch zukünftig boomen zu lassen.
Eskom ist mit seinen Kapazitäten zur Stromproduktion nahezu ausgelastet, Energiereserven stehen kaum zur Verfügung. In der Folge bleibt der Strom regelmäßig weg, entweder mit oder ohne Vorankündigung. Das alles hat natürlich Auswirkungen auf die Wirtschaft. Als größte Volkswirtschaft im südlichen Afrika und Standort vieler Unternehmen der Rohstoff- und Schwerindustrie zählt Südafrika zu den energieintensiven Ländern.
Die Südafrikaner nehmen es mitunter gelassen, was kann man auch schon tun? Doch, man kann was tun. Der Leiter eines großen Lebensmittelmarkts in Noordhoek bei Kapstadt weist seine Leute an, verderbliche Ware schnell ins Kühlhaus zu verfrachten, wenn der Strom ausfällt. Dort bleibt Wurst und Milch länger kühl. Nach zwei oder drei Stunden, wenn der Strom wieder da ist, wird alles schön in die Kühlregale zurückgeräumt. Südafrikaner arbeiten lösungsorientiert.
Der Staat indes steht unter Druck und muss handeln. Eine Reihe von Sofortmaßnahmen wurde beschlossen, um den Energiebedarf zu decken. Neben neuen Kraftwerken wird zusätzliche Energie aus den Nachbarländern importiert.
Mit einem milliardenschweren Investitionsprogramm spendiert der Staat der Republik nun neue Kraftwerke. Die Kunden müssen dafür allerdings zukünftig bei der Stromabnahme etwas tiefer in die Tasche greifen. Angesichts der Herausforderungen bei Ausbau und Modernisierung der Energiestruktur eröffnen sich für deutsche Firmen interessante Investitions- und Kooperationsmöglichkeiten.
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