Von Lutz Reiche
Gardell und Förberg begreifen sich als "aktive" Investoren, die offensiv auf das Management und den Aufsichtsrat eines Unternehmens zugehen. Finden sie mit ihren konstruktiv gemeinten Vorschlägen in den Führungsetagen kein Gehör, ziehen die Herren auch härtere Saiten auf. So etwa tauschte Cevian bei der führenden schwedischen Modehauskette Lindex das Management weitgehend aus, Gardell und Förberg selbst rückten in den Aufsichtsrat ein. Ebenso gingen die Investoren beim schwedischen Lkw-Bauer Volvo
auf Konfrontationskurs, an dem sie rund 5 Prozent halten. Den Sprung in das Kontrollgremium des Konzerns schafften sie bislang aber nicht.
Auch bei der schwedischen Kreditmanagement-Gruppe Intrum Justitia - Cevian hält hier 10 Prozent der Anteile -, dem schwedisch-finnischen Telekomkonzern TeliaSonera
Bei der Münchener Rück
verzichtete Cevian auf eine Kampfkandidatur für den Aufsichtsrat, will sich aber für neue Aufseher in dem Kontrollgremium einsetzen, dessen Wahl im kommenden Jahr ansteht. Beim Einstieg in den weltgrößten Rückversicherer spekulierten die Märkte, der Konzern werde sich auf Druck von Cevian von seiner Erstversicherungstochter Ergo
trennen. Gegenüber der Presse mauerte Gardell seinerzeit, wollte sich zur zukünftigen Struktur der Münchener Rück nicht äußern. "Eines ist klar", sagte er aber dem "Handelsblatt", "in der Regel muss man etwas verändern, wenn man den Wert eines Unternehmens verdoppeln will".
Cevian agiert ausschließlich mit Eigenkapital
Derweil sind Strippenzieher im Auftrag der in ihrem Heimatland bewunderten wie zugleich gefürchteten Investmentgesellschaft bemüht, erst gar nicht ein Heuschrecken-Image aufkommen zu lassen. Im Unterschied zu Hedgefonds oder Private-Equity-Fonds agiere Cevian ausschließlich mit Eigenkapital, lehne auf Pump finanzierte Investments und Sicherungsgeschäfte (Hedges) ab, sagt eine Person aus dem Umfeld der Gesellschaft. Das soll Vertrauen zum Management des Unternehmens schaffen, dessen Wert und operative Kraft man ja in einer mittelfristig orientierten Zusammenarbeit verbessern wolle.
Mit einem aggressiv agierenden Hedgefonds à la TCI, der im Verbund mit anderen Finanzinvestoren die Deutsche Börse
seinerzeit zu einer milliardenschweren Sonderausschüttung und damit Vorstandschef Werner G. Seifert zum Abgang zwang, wollen sich die Schweden nicht verglichen wissen. "Cevian arbeitet so nicht." Das hieße im Umkehrschluss aber nicht zwingend, dass Gardell und Förberg eine Zusammenarbeit mit anderen Finanzinvestoren kategorisch ablehnten, um gegebenenfalls das Management eines Unternehmens von einer anderen Strategie zu überzeugen.
Dass sich ein Mann wie Daimler-Chef Dieter Zetsche nur ungern ins operative Geschäft reinreden lässt, liegt auf der Hand. Dabei sind Hedgefonds und ähnlich orientierte Investoren dem Autobauer keineswegs fremd. Seit Jahren sind sie bei dem Dax-Konzern aktiv, Experten schätzen die vereinigten Anteile dieser Investoren auf 10 bis 20 Prozent. Offiziell heißt es aus Stuttgart, man sei zufrieden mit seiner Aktionärsstruktur und offen für neue Investoren. Also alles im grünen Bereich?
Wohl kaum. Natürlich weiß das Management um die Gefahr, die von dem niedrigen Börsenkurs und der Tatsache eines fehlenden, loyalen Anker-Investors ausgehen. Einziger nennenswerter größerer Aktionär ist das Emirat Kuwait, das 7,6 Prozent der Anteile an Daimler hält.
Zwar sehen sich die Stuttgarter nicht als Übernahmekandidat, wollen eine Übernahme aber auch nicht ausschließen. Derlei Aussagen lassen der Fantasie freien Lauf. Und so darf die Meldung am Mittwoch nicht verwundern, dass Daimler bereits an einem Abwehrplan gegen feindlich gesinnte Investoren arbeite. "Kein Kommentar", heißt es dazu ebenso wenig überraschend aus Stuttgart: Dass Zetsche aber die Hände untätig in den Schoß legt, darf man indes nicht ernsthaft erwarten.
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