Von Lutz Reiche
Hamburg - Das eisige Schweigen spricht Bände. "No comment", heißt es aus Stockholm. Ebenso kurz angebunden gibt sich Daimler
in Stuttgart. Den bohrenden Nachfragen weichen beide Seiten aus - so beharrlich, dass etwas dran sein muss an der Meldung, Finanzinvestoren wie die schwedische Cevian Capital kauften in großem Stil Aktien des Autobauers auf. Der Markt absorbiert derlei Nachrichten begierig, treibt die Papiere des Autobauers seit Tagen an.
Freundlich aber bestimmt: Lars Förberg (li.) und Christer Gardell haben den schwedischen Finanzinvestor Cevian Capital im Jahr 2002 gegründet. Die Gesellschaft verwaltet Vermögen von rund 3,5 Milliarden Euro und soll sich bei Daimler eingekauft haben. Förberg und Gardell gelten als Shareholder-Aktivisten. Haben sie sich nach langer Analyse für ein Investment entschieden, wollen sie auch Einfluss auf die Strategie und das operative Geschäft des Unternehmens nehmen. So mancher Konzernvorstand hat das schon zu spüren bekommen. Als aggressiver "Zerleger" gilt Cevian Capital aber nicht.
Dennoch rangiert der Kurs rund 40 Prozent niedriger als vor Jahresfrist. Das latente Misstrauen in die Konjunktur, die hohen Rohstoffpreise und der schwache Dollar hängen wie Blei an dem Papier. Ein klarer Fall von Unterbewertung, Vernachlässigung und Missverständnis eines börsennotierten Unternehmens durch den Kapitalmarkt, möchte man meinen. Jedenfalls dann, wenn man optimistischer zu Werke geht, die Wirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft mittlerweile weniger schwarzmalerisch berurteilt. Christer Gardell und Lars Förberg, die verschwiegenen Gründer des schwedischen Finanzinvestors Cevian Capital, zählen dazu.
Die im Jahr 2002 gegründete Gesellschaft mit Sitz in Stockholm und Dependancen in Zürich und London verwaltet derzeit rund 3,5 Milliarden Euro. Sie konzentriert ihre Beteiligungen auf wenige ausgesuchte europäische Firmen. Seit Herbst vergangenen Jahres ist Cevian mit knapp 3 Prozent an der Münchener Rück beteiligt und hatte zuletzt im Mai verlautbart, Anteile an zwei weiteren deutschen Unternehmen erworben zu haben. Über einzelne Investments sprechen die Schweden grundsätzlich nicht - und zu Daimler hat man schon gar nichts zu sagen. "No comment."
Aber so viel ist von dem angeblichen Daimler-Investor bekannt: Cevian investiert nach eigenen Angaben in börsennotierte Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mindestens zwei Milliarden Euro. Die Höhe der Beteiligung liege zwischen 2 und 10 Prozent.
Man suche nicht nach angeschlagenen Unternehmen, um sie dann in ihre Einzelteile zu zerlegen. "Wir halten Ausschau nach vernachlässigten oder vom Kapitalmarkt missverstandenen Gesellschaften, die über eine exzellente Marktposition und eine gesunde Basis verfügen", sagte Lars Förberg unlängst dem "hedgefund journal". Die Unternehmen müssten über das Potenzial verfügen, ihren langfristigen Wert durch operative und strategische Maßnahmen zu steigern. Dieser Ansatz erfordere in der Regel ein Engagement von drei bis fünf Jahren.
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