Von Grit Beecken
mm.de: Und wie wollen Sie die Menschen in den Entwicklungsländern davon überzeugen?
Gerhardt: Wir möchten zunächst unseren Kunden zeigen, dass wir bei konsequentem Einsatz der heute schon verfügbaren Technologien unsere Bedürfnisse befriedigen können, ohne den Ressourcenverbrauch auf dem heutigen Niveau zu halten.
Beispielsweise gibt die Sonne täglich sehr viel Energie ab: Wenn man einen kleinen Teil der Sahara mit Fotovoltaik- und Solarthermiekraftwerken ausstatten würde, dann könnte der gesamte Strombedarf Europas gedeckt werden. Und die Entwicklungsländer übernehmen im Grunde die Technologien, die wir ihnen "beibringen“. Die Frage ist, inwieweit wir bereit sind, die neuen Technologien zur Verfügung zu stellen – in unserem ureigensten Interesse. Was ist es uns wert, den Globus zu erhalten?
mm.de: Warum sollten die Unternehmen ihre Entwicklungen verschenken?
Gerhardt: Das ist das gleiche Problem, wie bei der Aids-Medikation. Man kann natürlich von den Pharmaunternehmen nicht verlangen, dass sie ihre Medikamente verschenken. Am Ende tun sie es aber aus dem Verständnis der größeren Verantwortung heraus doch: Eine Behandlung kostet in Afrika ein Bruchteil dessen, was westliche Medikation kostet. Das ist ein Modell, das wir uns im eigenen Interesse überlegen sollten. Denn Migrationsströme können wir vielleicht verhindern, aber gegen CO2 gibt es keine Zäune. Von daher ist es in unserem ureigensten Interesse, global die CO2-minimierendsten Technologien zum Einsatz zu bringen.
mm.de: Was macht denn ein Unternehmer, wenn Sie als Berater kommen und sagen: "Verschenkt euer Eigentum"?
Gerhardt: Verschenken sollen sie es sicherlich nicht. Aber sie können Joint Ventures beschleunigen und ihre Technologien schnell einem großen Markt zur Verfügung stellen. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit unseren Kunden die weltweiten, nachhaltigen Geschäftspotenziale zu identifizieren. Es ist möglich, sich mit diesen neuen Technologien Milliardenmärkte zu erschließen.
Denn ein Afrikaner hat genau so gerne einen Dieselgenerator wie ein Solarmodul – das Bedürfnis ist Elektrizität, wie auch immer sie erzeugt wird. Es ist unsere Aufgabe als Unternehmensberater, durch Prozess- und Technologieoptimierung die Güter schnell und preisgünstig in einem großen Maßstab verfügbar zu machen.
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