Von Grit Beecken
mm.de: Entdecken Unternehmen die Vorteile nachhaltigen Wirtschaftens erst dann, wenn der Ölpreis durch die Decke geht? War der Klimawandel, über den seit Jahren gesprochen wird, nicht auch schon ein Grund, nachhaltig zu handeln?
Gerhardt: Es muss alles zusammenkommen. "Gutmenschentum" allein ist noch kein hinreichendes Argument für Unternehmen, die schließlich rentabel arbeiten müssen – das ist ihre erste Pflicht zum Erhalt des Unternehmens und der Arbeitsplätze. Zudem betrifft der Klimawandel uns in Europa noch nicht so sehr – auch wenn sich Wetteranomalien in den letzten Jahren häufen. Allerdings bemerken wir nun in Verbindung mit stark gestiegenen Energiekosten einen durchgehenden Handlungsdruck bei unseren Kunden.
mm.de: Wie drückt sich dieser Handlungsdruck in Zahlen aus?
Gerhardt: Es haben derzeit geschätzt etwa 15 bis 20 Prozent unserer Projekte einen Nachhaltigkeitsbezug im Sinne der Balance von wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit. Diese Entwicklung hat sich in den vergangenen sechs Monaten stark beschleunigt, zuvor waren es nur rund 3 Prozent. Mit dem Anstieg der Rohstoffpreise kommt das Thema nun auf die Agenda der Topentscheider.
mm.de: Wie viel Geld lassen sich die Unternehmen Umweltschutz und kosten?
Gerhardt: Das Ziel ist, dass nachhaltiges Wirtschaften gar nicht mehr kostet als konventionelle Alternativen. Ich bin kein Freund des Verzichtgedankens. Unternehmen sollten Technologien anwenden, die langfristig Kosten sparen. Etwas, das auf kurze Sicht etwas teurer ist, kann sich auf längere Sicht rechnen – Nachhaltigkeit ist langfristig auch finanziell die bessere Alternative. Hierfür gibt es insbesondere im Bereich des Energieeinsatzes zahlreiche Beispiele.
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