Von Lutz Reiche
Feindlich oder freundlich, das ist die Frage
Sollte eine Übereinkunft mit dem Conti-Management nicht zu erzielen sein, könnte Schaeffler den Dax-Konzern auch feindlich übernehmen, wird spekuliert. Manche Experten raten davon ab. "Das ist nicht zielführend und würde die Übernahme noch erheblich verteuern", sagt Punzet.
Conti habe noch eine ganze Reihe von Integrationsaufgaben zu erledigen. Ohne Wennemer und andere Spitzenmanager, die dann nicht mehr zur Verfügung stünden, dürften diese Vorhaben nur schwer zu bewältigen sein, gibt LBBW-Analyst Biller zugleich zu bedenken.
Treckmann von der Dresdner Bank interpretiert dagegen die durchgesickerten Pläne einer womöglich auch feindlichen Übernahme nicht nur als Drohkulisse: "Solange sich das halbwegs rechnet, werden sie das durchziehen, ob nun mit oder gegen Wennemer."
Der Conti-Chef selbst indes scheint einen feindlichen Übernahmeversuch nicht zu fürchten. Man habe keine Berührungsängste wenn es darum ginge, Investoren zu gewinnen, die "zu unserer Strategie passen". Eine Zerschlagung sei aber nicht im Conti-Interesse. Wer eine feindliche Übernahme anstrebe, "dem wünschen wir einfach viel Glück", ließ der Manager wissen.
Doch Wennemer sollte gewarnt sein. Schon einmal hatte Schaeffler mit einer feindlichen Übernahme Erfolg. Im Jahr 2001 hatte das Unternehmen den börsennotierten Kugellagerhersteller FAG Kugelfischer gegen den Willen des FAG-Managements übernommen. Auch damals stand dem Übernahmekandidaten ein herausragender Manager zur Seite. Letztlich aber musste sich der damalige FAG-Chef Uwe Loos geschlagen geben und räumte im Dezember 2001 seinen Sessel.
Auf einen weißen Ritter, der Conti zur Hilfe eilt, sollte Wennemer nicht hoffen: Analysten sehen derzeit keinen derart finanzkräftigen Beistand, der Conti unter die Arme greifen würde, wenn er es denn könnte und auch dürfte. Finanzinvestoren, die bei solchen Geschäften für gewöhnlich mit einem enorm hohen Fremdkapitaleinsatz arbeiten, kämen sicherlich nicht zum Zuge, glaubt Analyst Treckmann von der Dresdner Bank. "Bei der gegenwärtigen Finanzmarktkrise ist das für die Private-Equity-Branche nicht darstellbar." Ein anderer Automobilzulieferer, dem sich Conti in die rettenden Arme werfen könnte, ist wohl auch nicht in Sicht. "Jene, die wirklich groß sind, haben Probleme", sagt Treckmann. Nicht zuletzt würden dann auch die Kartellbehörden einschreiten und den vermeintlich rettenden Ritter gehörig zurecht stutzen.
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