Berlin - Kaum ist die Fragerunde eröffnet, schnappt sich Friedrich Merz das Mikrofon. Lange nichts gehört vom ehemaligen CDU/CSU-Fraktionschef im Bundestag, schon gar nicht in Sachen Politik. Als Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) zuvor zu den honorigen Mitgliedern der Deutschen Corporate Governance Kommission sprach, biss er sich noch auf die Lippen. Dabei brodelt es in Merz.
Gefallene Manager: Die "Verfehlungen Einzelner" haben nach Ansicht des scheidenden Vorsitzenden der Corporate-Governance-Kommission, Cromme, das Vertrauen in die Führungsriegen deutscher Konzerne erschüttert. Im Bild: Heinrich von Pierer (oben links, im Uhrzeigersinn), Klaus Zumwinkel, Kai-Uwe Ricke, Noël Forgeard.
Die Botschaft kommt an bei den mehreren Hundert Topmanagern, die jüngst ins Hotel Kempinski am Berliner Kurfürstendamm zur Konferenz Deutscher Corporate Governance Kodex gekommen sind, um über Grundsätze guter Unternehmensführung zu diskutieren. Fehltritte à là Zumwinkel dominieren das öffentliche Bild der Wirtschaftselite, und viele Politiker haben nach Ansicht der Anwesenden allzu kräftig daran mitgewirkt.
Es passt in die Stimmungslage, dass der Ruf der Manager auch in Berlin eines der wichtigsten Themen ist, auch wenn es nicht explizit auf der Tagesordnung steht. "Das Bild der Managerkaste ist verheerend", sagt der scheidende Kommissionsvorsitzende, Gerhard Cromme. Er spielt auf Meinungsumfragen an, nach denen die Unternehmenslenker das Vertrauen der Bevölkerung weitgehend verloren haben. Die Wahrnehmung sei dabei verzerrt, findet Cromme, denn der eigene Chef sei bei den Befragten in der Regel hoch angesehen.
Hohe Managergehälter, denen mitunter keine angemessene Leistung gegenübersteht, üppige Abfindungen und dazu Fälle, in denen Manager beim Handel mit eigenen Aktien Grenzen der Legalität überschreiten: In der Öffentlichkeit hat sich ein Meinungsklima entwickelt, in dem Talkshowgäste erhitzt über Manager und Moral diskutieren und Politiker Gesetze fordern, die dem von ihnen beobachteten Treiben Einhalt gebieten sollen. "Die Verfehlungen Einzelner sind fatal, weil sie den Populisten in der Politik Einfallstore für Gesetze liefern", bringt es der Chef der Deutschen Börse, Reto Francioni, auf den Punkt.
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