Von Nils-Viktor Sorge, Berlin
Frauen eine "Randgruppe" im Vorstand
Seinem Nachfolger als Kommissionschef, Klaus-Peter Müller, gab Cromme außerdem mit auf den Weg, das Thema Frauen in Toppositionen zu behandeln. "Wo wir noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind, das ist eine angemessene Vertretung von qualifizierten Frauen in den deutschen Aufsichtsräten", sagte er. Frauen seien derzeit noch eine "Randgruppe" in den obersten Führungsetagen der deutschen Wirtschaft.
Das sei auf Dauer nicht tragbar, sagte Cromme, zumal er selbst oft die Erfahrung gemacht habe, wie schwer es sei, geeignete Kandidaten für Führungspositionen in Vorstand und Aufsichtsrat zu finden. Gegenwärtig sind nur drei Prozent der Aufsichtsratsmitglieder der Arbeitgeberseite weiblich.
Auch bedürfe es größerer Internationalität in der Zusammensetzung des Aufsichtsgremiums, sagte Cromme. Daneben verfolge die Kommission die Diskussion über gesellschaftliche Verantwortung und Nachhaltigkeit in Unternehmen mit hoher Aufmerksamkeit, auch wenn sie deren ausdrückliche Verankerung in ihrem Verhaltenskodex bisher nicht für erforderlich gehalten habe. Fälle von Korruption, Schmiergeld, Abfindungsexzessen und Steuerhinterziehungen, wie sie in jüngster Zeit für Aufsehen sorgten, kann der Kodex nach Crommes Auffassung nicht heilen. Moral kann man nicht per Gesetz verordnen und auch nicht per Kodex", sagte er.
Im weiteren Verlauf beschäftigt sich die Konferenz mit der Frage, ob das deutsche duale System aus Vorstand uns Aufsichtsrat international wettbewerbsfähig ist. Siemens-Chef Peter Löscher lobte das zweigliedrige System. "Es ist ein essentieller Wettbewerbsvorteil für deutsche Unternehmen. Arbeitnehmer sind das wichtigste Gut im Unternehmen, Sie einzubinden und zu überzeugen, ist essenziell", sagte Löscher. "Wir sind deshalb vielleicht nicht so schnell als Vorstandschefs wie US-CEOS." Aber langfristig machten Aufsichtsräte und Mitbestimmung deutsche Unternehmen wettbewerbsfähiger.
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