Schlusslicht Deutschland
Dass Frauen dabei eine wichtige Rolle spielen sollten, zeigt ein Zahlenvergleich: Aktuell haben die 30 Dax-Gesellschaften knapp 540 Aufsichtsratsmandate zu vergeben. Frauen besetzen davon nur 12 Prozent. Kapitalvertreterseitig werden in Summe lediglich 3 Prozent der Mandate von Frauen wahrgenommen, insgesamt 16 Ämter.
Dabei steigt der Frauenanteil zwar wenigstens mit der Größe des Unternehmens, so das Ergebnis von Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Hans-Böckler-Stiftung. Doch Deutschland gehört damit auf europäischer Ebene zu den Schlusslichtern - und weit entfernt von dem Stellenwert, den weibliche Aufsichtsräte etwa in Norwegen bereits innehaben.
Gerade in den skandinavischen Ländern hat sich der Frauenanteil in Aufsichtsrats- und Vorstandsgremien sehr positiv entwickelt. Das belegen auch die Zahlen des Boardwomen-Monitor: Im Jahr 2006 nahmen Frauen beispielsweise in Norwegen fast 29 Prozent aller Aufsichtsratsposten wahr, in Schweden knapp 23 Prozent. Im europäischen Durchschnitt sind es 8,5 Prozent.
Dass Norwegen so weit in Front liegt, hat aber auch etwas mit den Gesetzen des nordischen Landes zu tun. Börsennotierten Gesellschaften droht in Norwegen sein Januar 2008 die zwangsweise Auflösung, wenn nicht eine Mindestzahl der Aufsichtsratsposten von Frauen bekleidet werden. Widerstand gibt es trotzdem: Findige Manager haben ihr Unternehmen kurzerhand in Gesellschaften mit beschränkter Haftung umgewandelt. Für diese gilt das Gesetz nicht.
Hierzulande sollte der Einstieg als Berufsaufsichtsrätin durchaus auch unterhalb von Dax und Co. interessant sein. Gerade im so genannten Mittelstand sind die Herausforderungen für Mandatsinhaber unter Umständen sogar noch spannender und umfassender als bei den deutschen Unternehmensschwergewichten. Denn Mittelständler müssen viele Dinge selbst entscheiden, für die Großunternehmen zuvor teure externe Gutachter beauftragt hätten. Dort ist also die eigene Meinung gefragt, statt die der Gutachter.
Auch hier sind die Möglichkeiten also noch lange nicht ausgeschöpft.
von Marcus Labbé, www.aufsichtsratsvermittlung.de
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