Von Susanne Schulz, Stockholm
Ethanol als Augenwischerei
Warum nun der hastige geforderte Umstieg auf Elektroantrieb? Einerseits treiben Lejonborg die wirtschaftlichen Vorteile einer Pionierindustrie an, andererseits die EU-Ziele zur Reduzierung der Treibhausgase. Diese fordern unter anderem eine Minderung des CO2-Auststoßes um 20 Prozent bis 2020. Trotz Umweltboom auf Schwedens Straßen hat das Land immer noch eine der höchsten CO2-Belastungen im EU-Durchschnitt. Die Schweden lieben große Autos und selbst die als Umweltauto geltenden großen E85-Volvos und -Saabs haben zum Teil einen hohen CO2-Ausstoss von mehr als 200 Gramm pro Kilometer. Abgesehen davon ist Ethanol angesichts der steigenden Lebensmittelpreise und der Abholzung von Regenwäldern in Verruf gekommen.
Jetzt soll also im Eiltempo auf Elektro umgestiegen werden. Wenn Schweden jedoch noch Pionierland werden möchte, muss es sich beeilen. Der Ex-SAP-Manager Shai Agassi hat den Trend zum massentauglichen Elektroauto schon vor ein paar Jahren gewittert. Mit seinem jungen Unternehmen Project Better Place hat Agassi mehrere Länder und Energiekonzerne davon überzeugt, flächendeckend Batterietankstellen und Batterietauschstellen in den kommenden zwei bis drei Jahren zu installieren, allen voran in Dänemark und in Israel. Ob sich Schweden dem Projekt anschließen will, konnte Eva-Marie Byberg vom Forschungsministerium noch nicht sagen.
Tatsächlich hat Dänemark bessere Voraussetzungen als Schweden, Elektropionier zu werden. Mit seiner unglaublichen Windkraftkapazität kann das Land sicherstellen, dass überwiegend grüner Strom in die Autos fließt. Mehr noch: "Dänemark produziert genug regenerative Energie, um damit alle Autos in Skandinavien zu versorgen", wie Agassi einmal sagte.
Schwedens Energiebranche steht in den Startlöchern, um es mit der dänischen Konkurrenz aufzunehmen. Vattenfall nutzt die Gelegenheit und wirbt mit seinem Ausbau von Windkraftwerken. Der neulich eröffnete Offshore-Windkraftpark Lillgrund im Östersund könne allein 150.000 Ladehybridautos versorgen, so Johan Tollin gegenüber manager-magazin.de.
Jetzt liegt es nur noch an der schwedischen Regierung, den Startschuss zu geben. Doch da könnte es an Pioniergeist mangeln. Bisher sind die Kosten für den nötigen umfassenden Ausbau der Infrastruktur, sprich Ladestationen an öffentlichen Parkplätzen, Kaufhausparkplätzen und der eigenen Garage, noch von niemandem eindeutig beziffert worden. Der Globalisierungsrat räumte lediglich die Unterstützung einer solchen Infrastruktur mit einer "bedeutenden jährlichen Summe im Verlaufe mehrerer Jahre" ein. Ein künftiges Pionierland sollte allerdings schnell Nägel mit Köpfen machen.
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