Berlin – Bisher wissen vor allem Topmanager, Schauspieler und Fußballprofis um die Annehmlichkeiten des exklusiven Reisens über den Wolken. In modernen Businessjets stört keine Rückenlehne die Beinfreiheit. Die Ledersitze lassen sich schwenken, seitwärts und längs verschieben – ganz wie Körper und Seele es gerade wünschen. Eine Bordküche erlaubt es, frische Speisen zuzubereiten, in manchen Fliegern läuft der Reisende über handgeknüpfte Teppiche.
Vor allem aber ist der Premiumpassagier so schnell am Ziel wie mit keinem anderen Verkehrsmittel. Denn meist muss er nur ein paar Minuten vor dem Abflug einchecken. Er ist punktgenau und exakt zur gewünschten Zeit unterwegs.
Diesen Vorteil soll sich nach Ansicht eines internationalen Forscherteams künftig nicht mehr allein eine Klasse von VIPs zunutze machen. Im Auftrag der Europäischen Kommission arbeiten die Luftfahrtexperten an einer Studie, die den Verkehr über den Wolken revolutionieren könnte.
Es geht darum, die Straßen durch mehr Individualverkehr in der Luft zu entlasten. Ziel ist auch, "ökonomische Ungleichheiten zwischen den Regionen zu reduzieren, die aus der schlechten Erreichbarkeit mancher Gebiete resultieren", schreiben die Forscher in einem Zwischenbericht für das European Personal Air Transport System" (Epats) genannte Projekt. Es lehnt sich an ein Sats genanntes Forschungsvorhaben der Nasa an, das die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtbehörde vor zwei Jahren "erfolgreich" abgeschlossen habe, wie eine Nasa-Sprecherin sagt.
Die Vision in Europa ist ein System, das die Zahl der Flüge mit Privatjets rapide ansteigen lassen könnte. Ein regelrechter Schwarm von bis zu 100.000 Kleinflugzeugen könnte bis 2030 über Europa summen, wenn Flughäfen und Kapazitäten der Flugsicherung ausgebaut würden und Flugtaxiunternehmen ein Geschäftsmodell entwickeln, das auf Masse zielt. Der Anschub soll im Wesentlichen von der EU und aus anderen öffentlichen Kassen kommen.
Satte 319 Millionen Passagiere wären den Luftfahrtexperten zufolge 2020 mit dem Businessjet unterwegs. Derzeit sind es 2,5 Millionen. Der Anteil am Gesamtverkehr schnellt in dem Szenario auf 3 Prozent hoch. Zum Vergleich: Der Anteil der Bahn beträgt derzeit gerade einmal 6 Prozent.
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