Von Jochen Eversmeier und Nils-Viktor Sorge
mm.de: Die Telekom-Führungsriege lässt Aufsichtsräte und Journalisten bespitzeln, um einen Maulwurf in den eigenen Reihen zu finden. Was bilden die sich ein?
Sollmann: Zur Machtausübung von Managern gehören Verhaltensweisen, die im Geheimen stattfinden. Ohne so etwas geht es prinzipiell nicht.
mm.de: Sie haben also Verständnis für das Verhalten der Telekom-Führung?
Sollmann: Ich möchte nicht darüber urteilen, ob es sich im vorliegenden Fall um eine Straftat handelt. Aber aus verhaltenspsychologischer Sicht ist es prinzipiell nachvollziehbar, dass die Konzernführung die Kontrolle behalten möchte. Die Wahl der Mittel ist eine andere Sache und sagt viel über die tatsächliche Autorität der Telekom-Spitze aus.
mm.de: Warum wusste sich die Unternehmensführung nicht anders zu helfen, als mit einer Spitzelaktion?
Sollmann: Bei der Telekom
hat offensichtlich jeder jeden verdächtigt und keinem vertraut. Es herrschte ein Klima, das von Misstrauen und Paranoia geprägt ist, wie in einer Soap Opera.
mm.de: Offenbar wollten die Beteiligten die Sache verschleiern, was gründlich misslungen ist.
Sollmann: Das ist schon eine kindliche Illusion, zu hoffen, dass das Ganze geheim bleibt. Es war ja offenbar kein Einzelfall, sondern ein lange funktionierendes System. Da erinnern mich die beteiligten Manager an kleine Jungs, die sich unter der Decke verstecken und denken, niemand sieht sie mehr. Es gab überhaupt keine Strategie, die Wunden, die aufgerissen wurden, wieder zu heilen.
mm.de: Wie kann es dazu kommen, dass in einem Unternehmen ein derartiges Klima entsteht?
Sollmann: Da ist offensichtlich vieles gründlich schief gelaufen. Das Management muss sich in jedem Fall selbst fragen, was es falsch gemacht hat, dass es schließlich zu derartigen Mitteln greifen musste.
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